Tourismus zwischen Klimawandel und Verantwortung

Ein persönlicher Blick auf fünf Jahre und 300 Folgen Smart Hotel Key, die Klimaveränderung und die Frage, wie Tourismus künftig wirtschaftlichen Erfolg, Lebensqualität und den Schutz unserer Lebensgrundlagen miteinander verbinden kann.

300 Folgen Smart Hotel Key. Wenn mir jemand im Dezember 2020 gesagt hätte, dass ich von da an Woche für Woche eine neue Podcastfolge veröffentlichen werde, hätte ich das vermutlich selbst nicht geglaubt. Heute blicke ich vor allem mit großer Dankbarkeit zurück. Dankbarkeit gegenüber allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, die ihre Erfahrungen, ihr Wissen und oftmals auch sehr persönliche Einblicke mit uns geteilt haben. Gegenüber allen Menschen, die den Podcast hören, Beiträge weiterempfehlen, kommentieren oder mir Rückmeldungen schicken. Und gegenüber allen, die Smart Hotel Key in den vergangenen Jahren begleitet und mitentwickelt haben.

Mehr als 3.500 Menschen haben den Podcast inzwischen plattformübergreifend abonniert. Das ist für mich keineswegs selbstverständlich. Vor allem deshalb nicht, weil Smart Hotel Key seit Beginn bewusst unabhängig und werbefrei geblieben ist.

Für die 300. Folge wollte ich deshalb nicht einfach nur zurückblicken. Ich wollte über ein Thema sprechen, das mich in den vergangenen Wochen sehr persönlich beschäftigt hat: Es geht natürlich um Tourismus, aber auch um Nachhaltigkeit und Klimaveränderung. Um die Chancen einer neuen Sommerfrische, die Zukunft des alpinen Wintertourismus und um die Frage, wie lange wir touristische Entwicklung noch weitgehend auf Basis jener Erfahrungen planen können, die wir in der Vergangenheit gemacht haben.

Dabei geht es für mich nicht nur um die wirtschaftliche Perspektive. Es geht um die Sicherung unserer Lebensgrundlagen.

Kernaussagen

  • Der Klimawandel ist für den Tourismus kein Zukunftsszenario mehr, sondern verändert bereits heute Reiseentscheidungen, Saisonen, Investitionen und Geschäftsmodelle.
  • Österreich kann als alpine Sommerdestination an Bedeutung gewinnen. Diese neue Sommerfrische darf aber nicht zu einer bloßen Verlagerung bisheriger Wachstumslogiken führen.
  • Der Skitourismus wird nicht überall gleichzeitig verschwinden, aber die Unterschiede zwischen Höhenlagen, Regionen und Geschäftsmodellen werden größer.
  • Technische Beschneiung kann die Anpassung unterstützen und Zeit gewinnen, den Klimawandel aber nicht aufheben.
  • Skigebiete müssen sich zu flexibleren, ganzjährig oder hybrid genutzten Bergerlebnisräumen weiterentwickeln. Markus Redl zeigt dazu seit Jahren konkrete Ansätze auf.
  • Klimarisiken müssen künftig in touristische Investitionsentscheidungen, Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Finanzierungen einfließen.
  • Nachhaltigkeit ist keine zusätzliche Aufgabe neben dem Kerngeschäft. Sie wird zu einer Voraussetzung dafür, dass touristische Geschäftsmodelle langfristig bestehen können.
  • Tourismus kann nur erfolgreich bleiben, wenn er wirtschaftliche Stabilität, Lebensqualität für Einheimische und den Schutz seiner natürlichen Grundlagen gemeinsam betrachtet.

Urlaub in einer sich verändernden Realität

Die ersten beiden Augustwochen habe ich mit meiner Familie auf Kreta verbracht. Wir haben wunderschöne Strände, eindrucksvolle Landschaften, gutes Essen und vor allem die gemeinsame Zeit genossen. Ich bin sehr dankbar dafür.

Gleichzeitig war da dieses schwer zu ignorierende Gefühl: Während wir Urlaub machten, kämpften andere Teile Griechenlands und Europas mit extremer Hitze, Dürre und Waldbränden. Die Bilder brennender Wälder, evakuierter Ortschaften und ausgetrockneter Landschaften begleiteten den europäischen Hochsommer.

Seit Mai 2026 wurde der Copernicus Emergency Management Service laut Europäischer Weltraumorganisation ESA mehr als 30-mal aktiviert, um Daten und Satellitenbilder zu Waldbränden unter anderem in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Kroatien, Deutschland und Großbritannien bereitzustellen. Das European Forest Fire Information System EFFIS dokumentiert die zunehmende Ausbreitung und Intensität der europäischen Waldbrandsaison.

Man liest solche Meldungen, sieht die Bilder – und sitzt gleichzeitig selbst am Strand. Diese Gleichzeitigkeit hat mich beschäftigt.

Darf man einen solchen Urlaub einfach genießen? Was bedeutet es, wenn jene Landschaften, wegen denen wir reisen, zunehmend unter den Folgen der Klimaveränderung leiden? Wie wird sich das Reiseverhalten verändern, wenn extreme Hitze in klassischen Sommerdestinationen nicht mehr die Ausnahme, sondern ein immer wahrscheinlicherer Teil der Urlaubsplanung wird? Und wie lange können wir Tourismus so organisieren, als würden sich seine natürlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend verschieben?

Dabei möchte ich nicht in eine moralische Selbstanklage verfallen. Reisen ist ein menschliches Bedürfnis. Menschen wollen andere Länder kennenlernen, Zeit mit ihrer Familie verbringen, sich erholen, neue Perspektiven gewinnen und aus ihrem Alltag ausbrechen. In der Smart-Hotel-Key-Folge „Tourismus im Klimawandel“ haben wir bereits festgehalten: Reisen wird ein Bedürfnis bleiben.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Menschen künftig noch reisen dürfen. Die Frage lautet, wie wir Reisen, Mobilität, Aufenthaltsdauer, touristische Infrastruktur und Angebote gestalten.

Die Rekorde sind kein abstraktes Zukunftsszenario mehr

Während ich mich auf Kreta mit diesen Fragen beschäftigt habe, erreichten mich beinahe täglich Meldungen über neue Temperaturrekorde in Österreich.

Der Juni 2026 brachte eine der extremsten Hitzewellen der österreichischen Messgeschichte. Laut GeoSphere Austria wurden an 157 von 277 Wetterstationen neue Höchstwerte für den Monat Juni gemessen. 112 dieser Stationen verfügen über Messreihen von mehr als 30 Jahren, 45 Stationen sogar über Messreihen von mindestens 80 Jahren.

Bemerkenswert ist nicht nur die Anzahl der Rekorde, sondern auch deren Ausmaß. Die neuen Juni-Höchstwerte lagen im Durchschnitt um 1,4 Grad über den bisherigen Rekorden. An 46 Stationen wurden die früheren Höchstwerte sogar um mindestens zwei Grad überschritten.

Auf der Hohen Warte in Wien, wo Tageshöchsttemperaturen seit 1872 aufgezeichnet werden, wurde der bisherige Juni-Rekord von 36,1 Grad aus dem Jahr 1950 um 3,6 Grad übertroffen. Gleichzeitig wurde dort mit 39,7 Grad auch der bisherige lokale Jahresrekord deutlich überboten.

Insgesamt verzeichnete die GeoSphere Austria während dieser Hitzewelle an 66 Wetterstationen neue Jahresrekorde. An rund der Hälfte aller 277 Stationen wurde zumindest einmal die Marke von 35 Grad erreicht oder überschritten. Je nach Region gab es unterhalb von 800 Metern Seehöhe zehn bis 14 Hitzetage in Folge. Eine derart ausgedehnte und lang anhaltende Hitzewelle hatte es in Österreich in einem Juni zuvor nicht gegeben.

Auch der Juli setzte diese Entwicklung fort. Laut der Klimabilanz für Juli 2026 lag die Durchschnittstemperatur um zwei Grad über dem Mittel der Klimaperiode 1991 bis 2020. Im Vergleich zur Periode 1961 bis 1990 betrug die Abweichung sogar 3,7 Grad. Damit war der Juli 2026 der viertwärmste Juli der 260-jährigen österreichischen Messgeschichte.

Bei den absoluten Spitzenwerten war der Juli 2026 sogar die klare Nummer eins: Am 31. Juli wurden in Wieselburg 40,3 Grad gemessen. Damit wurde der seit 1983 bestehende österreichische Juli-Rekord um 0,6 Grad übertroffen.

Am 5. August folgte schließlich mit 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg ein neuer österreichischer Allzeit-Hitzerekord. Die GeoSphere Austria führt diesen Wert auf ihrer Informationsseite zum Thema Hitze in Österreich als höchsten jemals gemessenen Wert an.

Gleichzeitig geht es nicht nur um Temperaturrekorde. Die vergangenen zwölf Monate waren laut der GeoSphere Austria die trockenste Periode in Österreich seit Beginn der entsprechenden Messungen im Jahr 1850.

Zwischen 1. Jänner und 12. August 2026 wurden auf 72 Prozent der österreichischen Landesfläche mehr trockene Tage verzeichnet als in jedem der vergangenen 65 Jahre. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland herrschte seit Ende Februar ein nahezu durchgehendes Niederschlagsdefizit. Zwischen 23. Februar und 9. August fielen dort lediglich rund 211 Millimeter Niederschlag – üblich wären etwa 405 Millimeter gewesen.

Natürlich ist nicht jeder einzelne heiße Tag für sich allein ein Beweis für den Klimawandel. Wetter und Klima sind nicht dasselbe. Wenn sich Rekorde aber nicht mehr nur alle paar Jahrzehnte ereignen, sondern einander innerhalb weniger Wochen ablösen, dürfen wir sie nicht länger wie isolierte Wetterkapriolen behandeln.

Wir erleben keine abstrakte Zukunftsprognose. Wir erleben bereits die Veränderung jener Rahmenbedingungen, auf denen unsere Lebensweise und große Teile unseres Tourismus aufgebaut sind.

Der Tourismus ist betroffen – und selbst Teil des Problems

Der Tourismus gehört zu jenen Wirtschaftszweigen, die besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels abhängig sind. Strände, Seen, Wälder, Berge, Schnee, Gletscher und ein als angenehm empfundenes Klima sind keine austauschbaren Produktionsfaktoren. Sie sind die Grundlage des touristischen Angebots.

Gleichzeitig trägt der Tourismus selbst zur Klimaveränderung bei. Besonders relevant sind die An- und Abreise, die Mobilität vor Ort, der Energieverbrauch von Beherbergungsbetrieben und Freizeitinfrastruktur, die Herstellung und der Transport von Lebensmitteln, der Flächenverbrauch sowie ressourcenintensive Bau- und Erlebnisangebote.

Es wäre allerdings zu einfach, die Verantwortung ausschließlich den Reisenden zu übertragen. Menschen wählen vor allem aus jenen Angeboten, die ihnen zur Verfügung stehen. Wenn Destinationen nur mit dem Auto sinnvoll erreichbar sind, wenn öffentliche Verkehrsmittel fehlen, wenn Aufenthalte durch die Preis- und Angebotsgestaltung immer kürzer werden oder wenn ständig neue Infrastruktur als Voraussetzung für Attraktivität dargestellt wird, dann handelt es sich nicht bloß um individuelle Gästeentscheidungen.

Verantwortung tragen auch Betriebe, Destinationen, Verkehrsunternehmen, Projektentwickler, Finanzierer, Berater und die Politik.

  • In der Folge „Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil“ haben Josef May und ich darüber gesprochen, dass Nachhaltigkeit nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit steht. Energieeffizienz, ein geringerer Ressourcenverbrauch, bessere Finanzierungsmöglichkeiten, regionale Wertschöpfung und eine hohe Arbeitgeberqualität können konkrete wirtschaftliche Vorteile schaffen.
  • Der Beitrag „Nachhaltigkeit 2026 im Fokus der Hotellerie?“ führt diesen Gedanken weiter: Weniger formale Berichtspflichten bedeuten nicht weniger Verantwortung. Entscheidend ist, jene Nachhaltigkeitsbereiche zu identifizieren, die für den konkreten Betrieb und sein Geschäftsmodell wesentlich sind.

Dazu gehören heute insbesondere Klimarisiken, Extremwetterereignisse, Wasserverfügbarkeit, Energiepreise, Versorgungssicherheit, Mitarbeiterbindung und regionale Wertschöpfung. Nachhaltigkeit darf daher keine zusätzliche Aufgabenliste sein, die neben dem eigentlichen Hotelbetrieb abgearbeitet wird. Sie muss Teil der Betriebs- und Investitionslogik werden.

Erlebt die Sommerfrische eine Renaissance?

Die Veränderungen in Südeuropa und die steigende Hitzebelastung in den Städten könnten dem alpinen Sommertourismus neue Chancen eröffnen.

Wenn klassische Mittelmeerdestinationen häufiger von Temperaturen jenseits der 40 Grad, Wasserknappheit und Waldbrandgefahr betroffen sind, verändert sich auch die Wahrnehmung eines gelungenen Sommerurlaubs. Für einen Teil der Reisenden könnte die Flucht aus der Hitze wichtiger werden als die Suche nach möglichst hohen Temperaturen.

Damit gewinnt ein Begriff neue Aktualität, der lange etwas nostalgisch geklungen hat: die Sommerfrische. Kühle Nächte, Seen, Wälder, Höhenlagen, frische Luft und Bewegung in der Natur werden zu einem realen touristischen Wert. Vielleicht wird der größte Luxus künftig nicht der größte Spa, der höchste Rooftop-Pool oder das umfangreichste Buffet sein.

Vielleicht besteht Luxus darin, ein Fenster öffnen und nachts gut schlafen zu können. In sauberem Wasser zu schwimmen. Durch einen gesunden Wald zu gehen. Zeit in einer intakten Landschaft zu verbringen und sich dabei nicht permanent inszenierten Reizen aussetzen zu müssen. Das knüpft an die Folge „Der wahre Luxus der Natur“ an. Natur ist nicht bloß die Kulisse, vor der ein touristisches Produkt stattfindet. Das Naturerlebnis kann selbst das zentrale Angebot sein.

Bereits im Trendreport und der dazugehörigen Folge „Grüner wird’s nicht“ wurde darauf hingewiesen, dass viele österreichische Hotels seit Generationen in und mit ihrer natürlichen Umgebung leben. Gerade familiengeführte Betriebe verfügen häufig über ein Wissen über Landschaft, Landwirtschaft, regionale Kreisläufe und Gastfreundschaft, das sich nicht einfach kopieren lässt. Darin liegt eine große Chance für Österreich. Allerdings ist die Renaissance der Sommerfrische kein Selbstläufer.

Die Sommerfrische darf nicht zur nächsten Wachstumsfalle werden

Wenn sich touristische Nachfrage in kühlere Regionen und höhere Lagen verlagert, stellt sich rasch die Frage, wie wir mit diesem Wachstum umgehen.

Seen, Wälder, Almen und Berglandschaften sind keine beliebig skalierbaren Kulissen. Mehr Nachfrage benötigt Verkehrsangebote, Wege, Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Gastronomie, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie teilweise zusätzliche Beherbergungskapazitäten. Ohne strategische Steuerung entstehen neue Nutzungskonflikte und Belastungsgrenzen.

Die neue Sommerfrische darf deshalb nicht dazu führen, dass wir die Fehler mancher Winterdestinationen in den Sommer übertragen: immer größere Kapazitäten, immer mehr Infrastruktur und immer neue Attraktionen, obwohl gerade Ruhe, Ursprünglichkeit und ein intakter Naturraum das eigentliche Angebot darstellen.

Im Beitrag „Renaturierung als Zukunftsfrage“ haben wir die Frage gestellt: Wie viel Natur verträgt der Mensch – oder müssten wir längst fragen, wie viel Mensch die Natur verträgt?

Tourismus kann nicht nur mit Renaturierung koexistieren, er ist langfristig auf sie angewiesen. Intakte Böden speichern Wasser. Wälder sorgen für Kühlung und schützen vor Naturgefahren. Unversiegelte Flächen nehmen Niederschläge auf. Biodiversität stabilisiert Ökosysteme. Eine gepflegte Kulturlandschaft ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und touristisches Angebot zugleich.

Für alpine Sommerdestinationen bedeutet das:

  • Hitze-, Kühlungs- und Beschattungskonzepte werden auch in höheren Lagen wichtiger.
  • Wasserverfügbarkeit muss bei Hotelprojekten, Pools, Wellnessanlagen, Golfplätzen und Freizeitinfrastruktur realistisch bewertet werden.
  • Öffentliche Mobilität und die Anbindung der letzten Meile müssen ausgebaut werden.
  • Gästeströme müssen räumlich und zeitlich gelenkt werden.
  • Wanderwege und hochalpine Infrastruktur müssen an Steinschlag, auftauenden Permafrost, Starkregen und andere Naturgefahren angepasst werden.
  • Bei neuen Projekten müssen Bodenverbrauch, Biodiversität und Landschaftsbild stärker gewichtet werden.
  • Wertschöpfung muss stärker aus Qualität, Aufenthaltsdauer und regionalen Kreisläufen entstehen – nicht ausschließlich aus immer höheren Frequenzen.

Sommerfrische kann eine große Chance für Österreich werden. Aber nur dann, wenn sie nicht als Einladung zu unbegrenztem Wachstum missverstanden wird.

Was wird aus dem Skitourismus?

Kaum ein touristisches Thema wird in Österreich so emotional diskutiert wie die Zukunft des Skifahrens. Die einen erklären den Skitourismus bereits für beendet. Die anderen verweisen auf volle Pisten, moderne Beschneiungsanlagen und erfolgreiche Wintersaisonen. Beide Perspektiven greifen zu kurz. Skifahren wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Hoch gelegene, schneesichere und wirtschaftlich starke Skigebiete werden voraussichtlich noch lange erfolgreich arbeiten können. Möglicherweise profitieren sie sogar davon, dass sich die Nachfrage auf weniger Standorte konzentriert. Gleichzeitig sind die langfristigen Veränderungen der Schneelage längst messbar.

Laut dem auf Daten des Projekts FuSE-AT von GeoSphere Austria und Universität Innsbruck basierenden Factsheet „Schneetrends in Österreich“ ist die durchschnittliche saisonale Schneehöhe in Österreich während der vergangenen 60 Jahre um rund 15 Zentimeter zurückgegangen. Die Dauer der Schneedecke hat sich im Durchschnitt um 42 Tage verkürzt. Gleichzeitig nahm die Zahl der potenziellen Beschneiungsstunden um ungefähr ein Viertel ab.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts setzt sich dieser Trend in allen untersuchten Szenarien fort. Aufgrund der weiteren Erwärmung um ungefähr ein Grad wird bis 2050 mit einer zusätzlichen Verkürzung der Schneesaison um etwa drei Wochen gerechnet.

Für die zweite Hälfte des Jahrhunderts macht es hingegen einen entscheidenden Unterschied, welchen globalen Klimapfad wir einschlagen. Bei einem konsequenten Klimaschutzpfad könnte sich die Schneelage langfristig auf dem dann erreichten Niveau stabilisieren. Bei hohen Emissionen würde sich die Abnahme deutlich fortsetzen.

Die Alpenkonvention weist zudem darauf hin, dass im Winter mehr Niederschlag als Regen und weniger als Schnee fallen wird. Gleichzeitig nehmen Trockenperioden im Sommer zu. Dadurch können Nutzungskonflikte um Wasser entstehen – zwischen Haushalten, Landwirtschaft, Energiegewinnung, Ökosystemen und Tourismus einschließlich technischer Beschneiung.

Technische Beschneiung kann fehlenden Naturschnee teilweise kompensieren und die Planbarkeit des Skibetriebs verbessern. Sie bleibt daher für viele bestehende Skigebiete eine wichtige Anpassungsmaßnahme. Sie kann den Klimawandel aber nicht aufheben.

Denn auch Beschneiungsanlagen benötigen ausreichend niedrige Temperaturen, Wasser, Energie, leistungsfähige Infrastruktur und entsprechende Investitionen. Wenn die potenziellen Beschneiungsfenster kürzer werden, muss in immer weniger Zeit immer mehr Schnee produziert werden. Das erhöht die Anforderungen an Speicherteiche, Leitungen, Pumpen, Schneeerzeuger und Energieversorgung. Technische Beschneiung kann somit Übergänge absichern und Zeit gewinnen. Sie beantwortet aber nicht die grundsätzliche Frage, welches Geschäftsmodell an einem konkreten Standort in 20 oder 30 Jahren tragfähig sein wird.

Nicht jedes Skigebiet braucht dieselbe Antwort

Die Zukunft des Wintertourismus wird regional sehr unterschiedlich aussehen. Entscheidend sind unter anderem:

  • Höhenlage und Exposition,
  • Temperaturentwicklung und Beschneiungsfenster,
  • Wasser- und Energieverfügbarkeit,
  • Größe und Finanzkraft des Skigebiets,
  • regionale Wertschöpfungsstruktur,
  • Erreichbarkeit und Herkunftsmärkte,
  • Bettenkapazität und Aufenthaltsdauer,
  • alternative Angebote im Winter und Sommer,
  • demografische Entwicklung der Zielgruppen,
  • Investitionsbedarf und bestehende Verschuldung.

Ein hoch gelegenes, international positioniertes Skigebiet benötigt eine andere Strategie als ein kleiner, stadtnaher Standort in niedriger Höhenlage. Ein Ausflugsgebiet mit überwiegend Tagesgästen folgt einer anderen Logik als eine alpine Ferienregion, deren Hotels einen erheblichen Teil ihres Jahresumsatzes in wenigen Winterwochen erwirtschaften.

Die entscheidende Frage darf daher nicht mehr ausschließlich lauten: Wie retten wir überall das bisherige Wintergeschäft? Wir müssen fragen: Welche touristische Zukunft ist für diesen konkreten Ort ökologisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich tragfähig?

Das kann in manchen Regionen die konsequente Weiterentwicklung des Skitourismus bedeuten. In anderen Regionen wird eine Verkleinerung der beschneiten Flächen, eine stärkere Konzentration auf Kernbereiche oder ein schrittweiser Umbau des Geschäftsmodells notwendig sein. Und an manchen Standorten wird man sich möglicherweise ganz vom klassischen Skibetrieb verabschieden müssen.

Entscheidend ist, solche Veränderungen nicht erst dann einzuleiten, wenn der wirtschaftliche Druck keine geordnete Transformation mehr zulässt.

Vom Skigebiet zum ganzjährigen Bergerlebnis

Mit dieser Transformation beschäftigt sich Markus Redl seit vielen Jahren. Er leitet seit 2011 die landeseigene ecoplus Alpin GmbH und verantwortet damit mehrere niederösterreichische Bergbahnen. Als Autor, Vortragender und Verfasser der Bücher „Die Zukunft der Skigebiete: Das weiße Gold wird grün!“ und „Zur Lage der Skination“ setzt er sich intensiv mit der Weiterentwicklung des alpinen Tourismus auseinander. Seine Grundidee ist nicht, den Schneesport aufzugeben. Vielmehr plädiert er für einen Übergang von der kurzen, hochintensiven Skisaison zu einem flexibleren, ganzjährigen Bergerlebnis.

In einem ausführlichen Interview mit Mountain Manager beschreibt Markus, dass sich die Seilbahnwirtschaft aufgrund des Klimawandels, des Verlusts an Biodiversität, des demografischen Wandels und der Digitalisierung in einem grundlegenden Umbruch befindet.

Dabei verweist er auch auf eine historische Entwicklung: Die touristische Nutzung der Seilbahnen und alpinen Orte begann ursprünglich vielfach im Sommer – häufig entlang der Bahnlinien. Erst später wurde der Wintertourismus zum dominierenden Geschäftsmodell vieler Regionen. Nun schwinge das Pendel teilweise wieder zurück.

Beschneite Flächen gezielt konzentrieren

Anstatt zwangsläufig immer größere Flächen technisch abzusichern, wurden in niederösterreichischen Gebieten teilweise beschneite Flächen reduziert oder nicht mehr wirtschaftliche Bereiche zurückgebaut. Die verbleibenden Kernflächen können dadurch mit höherer technischer Leistungsfähigkeit und größerer Wahrscheinlichkeit zu den entscheidenden Saisonzeiten betrieben werden.

Gleichzeitig werden andere Flächen für alternative Nutzungen frei. Dieser Ansatz bedeutet nicht, den Winter aufzugeben. Er erhöht vielmehr die Schlagkraft dort, wo ein funktionierendes Schneeangebot wirtschaftlich besonders wichtig ist, und reduziert gleichzeitig die vollständige Abhängigkeit vom Skibetrieb.

Angebote parallel statt nur nacheinander betreiben

Ein weiterer zentraler Gedanke ist der Hybridbetrieb. Winter- und Sommerangebote sollen nicht ausschließlich in klar getrennten Saisonen stattfinden. Je nach Wetter und Schneelage können sie zeitlich, räumlich oder funktional parallel angeboten werden.

Wenn Skipisten am Nachmittag aufgrund hoher Temperaturen sehr weich werden, könnten Gäste beispielsweise auf Winterwandern, Trailrunning, Bikeangebote oder andere Aktivitäten ausweichen. In Übergangszeiten können Teile eines Gebiets noch im Winterbetrieb sein, während an anderer Stelle bereits Sommerangebote genutzt werden.

Das erfordert nicht nur technische Flexibilität. Auch Genehmigungen, Personalplanung, Wartung, Gastronomie, Kommunikation und Ticketing müssen auf kurzfristigere Wechsel vorbereitet werden.

Bestehende Infrastruktur breiter nutzen

Ein besonders interessanter Gedanke ist, vorhandene Infrastruktur nicht ausschließlich für ihren ursprünglichen Zweck einzusetzen. Förderbänder, Lifte, Wege, Gebäude oder Parkflächen können möglicherweise auch für Sommer-, Familien-, Bike- oder Veranstaltungsangebote verwendet werden.

Innovation muss damit nicht automatisch bedeuten, immer neue und kapitalintensive Attraktionen zu errichten. Oft beginnt sie mit der Frage, wie vorhandene Anlagen intelligenter, länger und vielseitiger genutzt werden können.

St. Corona als Beispiel der Transformation

Als häufig genanntes Beispiel gilt die Wexl Arena in St. Corona am Wechsel. Das frühere Skigebiet wäre mit erheblichen Investitionserfordernissen konfrontiert gewesen. Statt ausschließlich das bestehende Modell fortzuführen, wurde schrittweise ein breiteres Angebot für Familien, Mountainbiker und andere aktive Zielgruppen aufgebaut.

Motorikpark, Bikeangebote, Förderanlagen und winterliche Nutzungen ergänzen einander. Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Attraktion, sondern die Fähigkeit, verschiedene Zielgruppen und saisonale Angebote miteinander zu verbinden.

Markus Redl warnt gleichzeitig vor einfachen Kopien. Nicht jedes erfolgreiche Konzept lässt sich auf einen anderen Berg übertragen. Topografie, Einzugsgebiet, Zielgruppen, vorhandene Infrastruktur, Beherbergungsangebot und regionale Kompetenzen unterscheiden sich erheblich.

Der übertragbare Teil ist daher weniger das konkrete Produkt als die Haltung: flexibel bleiben, frühzeitig experimentieren, bestehende Infrastruktur neu denken und die Transformation beginnen, solange das bisherige Geschäft noch funktioniert.

Digitalisierung und Besucherlenkung

Zur breiteren Nutzung der Berginfrastruktur gehört auch eine intelligentere Steuerung der Nachfrage. Online-Ticketing, Kontingentierung, dynamische Preise und Kundenbeziehungsmanagement können dabei helfen, Spitzen zu reduzieren, Gäste früher zu binden und Auslastung besser zu verteilen.

Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Instrument. Besucherlenkung kann auch zur Sicherheit, zur Qualität des Erlebnisses und zur Entlastung sensibler Räume beitragen.

Auf seiner Autorenseite im TP-Blog widmet sich Markus Redl seit Jahren diesen Themen – vom Hybridbetrieb über technische Beschneiung und kleinere Skigebiete bis hin zur digitalen Steuerung alpiner Destinationen.

Den Schneesport trotzdem nicht vernachlässigen

Bemerkenswert ist, dass Markus Redl trotz seines Engagements für den Ganzjahrestourismus ausdrücklich davor warnt, den Schneesport selbst zu vernachlässigen. In einem Interview mit SportsBusiness bezeichnet er den Schneesport aufgrund des Klimawandels, der demografischen Entwicklung und der Frage der Leistbarkeit als im massiven Umbruch. Gleichzeitig plädiert er dafür, neue Zugänge zu schaffen – etwa durch Trockenpisten und urbane Sporträume, damit Kinder und Jugendliche auch außerhalb klassischer Skigebiete erste Erfahrungen mit dem Sport sammeln können.

Sein Konzept ist daher differenzierter als die bloße Forderung nach mehr Sommerbetrieb. Es geht um einen breiteren Zugang zum Berg- und Schneesport, neue Zielgruppen, flexiblere Infrastruktur und eine bessere Auslastung über das ganze Jahr.

Ganzjahrestourismus bedeutet nicht, jeden Tag geöffnet zu haben

Die Transformation zum ganzjährigen Bergerlebnis klingt auf den ersten Blick wie eine einfache Lösung. Sie birgt aber auch Risiken.

Ganzjahrestourismus darf nicht mit einem permanenten Vollbetrieb verwechselt werden. Ein Angebot kann über das Jahr hinweg unterschiedliche Besuchsanlässe schaffen, ohne dass sämtliche Infrastruktur an 365 Tagen geöffnet sein muss. Auch ein Ganzjahresbetrieb muss wirtschaftlich sinnvoll sein. Zusätzliche Öffnungstage verursachen Personal-, Energie-, Wartungs- und Betriebskosten. Wenn die Nachfrage nicht ausreicht oder ausschließlich durch hohe Rabatte erzeugt wird, steigt zwar möglicherweise die Zahl der Betriebstage, nicht aber zwangsläufig die wirtschaftliche Stabilität.

Ebenso wenig wäre es nachhaltig, jeden Berg mit Alpine Coastern, Ziplines, Bikeparks und Erlebnisinstallationen auszustatten. Nicht jede Destination benötigt dieselben Attraktionen. Manchmal besteht die beste Strategie gerade darin, den Naturraum bewusst wenig zu inszenieren.

Die zentrale Aufgabe liegt daher in einer standortspezifischen Positionierung:

  • Welche natürlichen und kulturellen Stärken besitzt die Region?
  • Welche Zielgruppen passen tatsächlich zum Standort?
  • Welche vorhandene Infrastruktur kann breiter genutzt werden?
  • Welche Angebote funktionieren auch bei wechselnden Wetterbedingungen?
  • Welche Nutzungen verträgt der Naturraum?
  • Welche Frequenzen sind wirtschaftlich notwendig und ökologisch vertretbar?
  • Welche Rolle spielen Einheimische und regionale Betriebe?
  • Wie kann Wertschöpfung entstehen, ohne immer neue Flächen zu verbrauchen?

Ganzjahrestourismus ist kein Produkt, das sich überall gleich umsetzen lässt. Er ist das Ergebnis einer strategischen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Lebens- und Wirtschaftsraum, siehe auch SHK 298: Ganzjahrestourismus.

Was sich in der touristischen Entwicklung ändern muss

Aus den Klimadaten und den Veränderungen im Reiseverhalten ergeben sich konkrete Konsequenzen für Hotellerie, Destinationen, Bergbahnen, Finanzierer und Politik.

1. Klimarisiken gehören in jede Investitionsrechnung

Touristische Projekte werden häufig über Zeiträume von 20, 30 oder mehr Jahren finanziert und betrieben. Trotzdem basieren viele Prognosen noch immer stark auf historischen Nachfrage-, Wetter- und Saisonverläufen.

Künftig müssen unter anderem folgende Risiken berücksichtigt werden:

  • Entwicklung der Sommer- und Wintertemperaturen,
  • Schneesicherheit und Beschneiungsfenster,
  • Wasserverfügbarkeit,
  • Starkregen, Hochwasser und Hangrutschungen,
  • Waldbrandrisiken,
  • steigender Kühlenergiebedarf,
  • Versicherbarkeit und Versicherungsprämien,
  • Einschränkungen bei Wegen und hochalpiner Infrastruktur,
  • mögliche Verschiebungen der Reisezeiten und Herkunftsmärkte.

Eine Investition kann auf Basis heutiger Nachfrage wirtschaftlich plausibel erscheinen und dennoch ein erhebliches langfristiges Klimarisiko enthalten.

2. Vom touristischen Saisonprodukt zum resilienten Lebensraum

Destinationen sind keine Freizeitparks. Sie sind Lebensräume, in denen Menschen wohnen, arbeiten, Familien gründen und alt werden.

Touristische Infrastruktur sollte daher möglichst auch Einheimischen dienen. Mobilität, Wege, Nahversorgung, Freizeitangebote und öffentliche Räume gewinnen an Legitimität und Stabilität, wenn sie nicht ausschließlich für wenige touristische Spitzenwochen dimensioniert werden.

Tourismus ist langfristig nur dort erfolgreich, wo die Bevölkerung weiterhin gerne lebt und die Entwicklung grundsätzlich mitträgt.

3. Natur muss als wirtschaftliche Grundlage behandelt werden

Renaturierung, Entsiegelung, Biodiversität und Landschaftsschutz werden in wirtschaftlichen Diskussionen häufig als Einschränkungen behandelt. Tatsächlich sichern sie zentrale touristische Werte.

Ein gesunder Wald, ein sauberer See, eine bewirtschaftete Alm oder eine vielfältige Kulturlandschaft erzeugen vielleicht keinen direkt zuordenbaren Ticketumsatz. Ohne sie verlieren Destinationen aber ihre Attraktivität, ihre Widerstandsfähigkeit und letztlich ihre wirtschaftliche Grundlage.

4. Vorhandene Infrastruktur besser nutzen

Nicht jede Weiterentwicklung benötigt einen Neubau. Hotels, Bergbahnen und Destinationen sollten systematisch prüfen, wie bestehende Räume, Anlagen und Angebote saisonübergreifend genutzt werden können.

Dabei geht es nicht darum, jeden freien Quadratmeter zu kommerzialisieren. Es geht um eine intelligentere Verwendung jener Ressourcen, die bereits errichtet und finanziert wurden.

5. Mobilität muss Teil des touristischen Produkts werden

Ein großer Teil des touristischen Fußabdrucks entsteht durch die An- und Abreise. Nachhaltige Mobilität darf deshalb nicht beim Aufstellen einiger Ladesäulen enden.

Die Smart-Hotel-Key-Folge „Von der E-Mobilität profitieren“ hat gezeigt, dass Ladeinfrastruktur für viele Betriebe inzwischen zur erwarteten Grundausstattung wird. Darüber hinaus braucht es aber attraktive Bahnverbindungen, Gepäckservices, Transfers, die Lösung der letzten Meile und Mobilitätsangebote vor Ort.

Wer ohne Auto anreist, darf nicht mit einem deutlich komplizierteren Urlaubserlebnis bestraft werden.

6. Nachhaltigkeit muss gemessen werden

Was nicht gemessen wird, lässt sich kaum gezielt verbessern.

In der Folge „Messung der Nachhaltigkeit“ wurde die wachsende Bedeutung von ESG-Kennzahlen für Banken, Förderstellen und Unternehmenssteuerung thematisiert. Betriebe sollten ihren Energie- und Wasserverbrauch, Abfallmengen, Emissionen, Lebensmittelverbrauch, Mitarbeiterfluktuation und regionale Wertschöpfung kennen.

Auch digitale Lösungen können einen Beitrag leisten. Wie in „Nachhaltigkeit aus Datengenerierung“ diskutiert, helfen strukturierte Daten dabei, Wartung vorausschauender zu organisieren, Prozesse effizienter zu gestalten und Ressourcen gezielter einzusetzen.

Die in der Folge „Nachhaltigkeit treibt touristische Innovationskraft“ vorgestellten Ansätze zeigen wiederum, dass nachhaltige Innovation Ressourcen sparen und gleichzeitig neue Leistungen oder Einnahmemöglichkeiten schaffen kann.

7. Nachhaltigkeit muss ehrlich kommuniziert werden

Je wichtiger Nachhaltigkeit für Gäste wird, desto größer ist die Versuchung, mit allgemeinen Begriffen wie „grün“, „umweltfreundlich“, „naturnah“ oder „klimaneutral“ zu werben.

Die Folge „Green Claims vs. Greenwashing“ zeigt, warum solche Aussagen nachvollziehbar und belegbar sein müssen.

Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch möglichst große Versprechen, sondern durch Transparenz: Was macht ein Betrieb tatsächlich? Wo steht er heute? Welche Ziele verfolgt er? Und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?

8. Ernährung und regionale Kreisläufe stärker beachten

Auch das kulinarische Angebot besitzt erhebliche ökologische, wirtschaftliche und soziale Wirkung.

Regionale Beschaffung, saisonale Speisekarten, weniger Lebensmittelverschwendung und ein attraktives pflanzliches Angebot können Ressourcen sparen und gleichzeitig die regionale Identität stärken. Die Folge „Nachhaltige Ernährung in der Hotellerie“ zeigt, dass Nachhaltigkeit und kulinarische Qualität keinen Widerspruch darstellen.

9. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zusammendenken

Ein Betrieb, der ökologisch vorbildlich, aber dauerhaft wirtschaftlich nicht tragfähig ist, kann langfristig nicht bestehen. Umgekehrt ist ein kurzfristig profitables Geschäftsmodell, das seine natürliche oder gesellschaftliche Grundlage verbraucht, ebenfalls nicht nachhaltig.

Deshalb müssen ökologische, soziale und ökonomische Perspektiven gemeinsam betrachtet werden.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht, Wirtschaftlichkeit hintanzustellen. Sie bedeutet, wirtschaftlichen Erfolg über einen längeren Zeitraum und unter realistischen zukünftigen Rahmenbedingungen zu bewerten.

Eine persönliche Verantwortung

Ich bin Tourismusberater. Ich beschäftige mich täglich mit Auslastung, Preisen, Rentabilität, Finanzierung, Positionierung und Investitionen. Ich glaube an die wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft des Tourismus.

Tourismus schafft Arbeitsplätze, ermöglicht regionale Wertschöpfung, finanziert Infrastruktur und fördert Begegnungen zwischen Menschen. Gerade in ländlichen und alpinen Regionen ist er häufig eine entscheidende Grundlage dafür, dass wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben erhalten bleibt.

Aber genau deshalb müssen wir uns auch fragen, welchen Tourismus wir künftig beraten, finanzieren und entwickeln wollen.

Wirtschaftlicher Erfolg darf nicht bedeuten, dass wir die Grundlage verbrauchen, auf der dieser Erfolg beruht.

Mich beschäftigt dabei längst nicht mehr nur, ob ein Hotelprojekt in zehn oder zwanzig Jahren rentabel sein wird. Mich beschäftigt auch, wie unsere Kinder in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren leben werden. Welche Landschaften sie vorfinden. Ob Wasser, Wälder, Schnee und ein erträgliches Klima weiterhin selbstverständlich sein werden.

Nachhaltigkeit ist deshalb für mich keine politische Modeerscheinung und kein Marketingthema. Es geht um die Sicherung unserer Lebensgrundlage.

Dabei gibt es nicht die eine einfache Lösung. Niemand wird den Klimawandel mit dem Verzicht auf die tägliche Zimmerreinigung, einer Ladesäule oder einem regionalen Frühstück allein aufhalten. Viele kleine Maßnahmen bleiben trotzdem wichtig – wenn sie Teil einer größeren, glaubwürdigen Strategie sind.

Klimaschutz ist, wie wir bereits in der Folge „Tourismus im Klimawandel“ festgehalten haben, kein Sprint, sondern ein Marathon. Entscheidend ist, überhaupt zu beginnen, die wesentlichen Handlungsfelder zu erkennen und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.

Was bedeuten 300 Folgen Smart Hotel Key?

Nach 300 Folgen habe ich nicht auf alle Fragen eine Antwort (und auch gar nicht den Anspruch darauf). Und ich glaube, ich habe gerade in dieser Folge eigentlich fast mehr Fragen gestellt als beantwortet. Aber genau dafür gibt es Smart Hotel Key: um Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern offen darüber zu sprechen. Um unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Und um wirtschaftlichen Erfolg nicht losgelöst von seiner Wirkung auf Menschen, Regionen und Natur zu betrachten.

Ich bin dankbar für die vergangenen 300 Folgen. Für alle Interview-Gäste, alle Hörerinnen und Hörer, alle Rückmeldungen und auch für jeden Widerspruch. Gleichzeitig hoffe ich, dass wir in den kommenden 300 Folgen nicht nur darüber sprechen werden, wie Tourismus erfolgreicher werden kann. Wir müssen auch darüber sprechen, wie Erfolg künftig überhaupt definiert werden soll.

Denn Tourismus braucht intakte Lebensräume. Er braucht Menschen, die gerne in den Destinationen leben und arbeiten. Er braucht wirtschaftlich gesunde Betriebe. Und er braucht den Mut, manche Entwicklungen nicht einfach fortzuschreiben, sondern neu zu denken.

Die Klimaveränderung wird den Tourismus verändern. Die Frage ist, ob wir diesen Wandel nur erleiden und reagieren, wenn es zu spät ist. Oder ob wir eine verantwortungsvolle Rolle in der Gestaltung spielen wollen.

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