Wie innovativ ist der heimische Tourismus?

Am 15. und 16. März 2023 fand im Messezentrum Salzburg die „Salz21“ statt. Als Home of Innovation sieht sich die Salz21 als Treffpunkt für das Who is Who der Futurist*innen und Denker*innen von morgen.

Salz21 verweist auf das „Salz der 21. Jahrhunderts“, was unumstritten die Innovation ist. Am 16. März diskutierte der Travel Industry Club anlässlich der salz21 die Relevanz dieser Entwicklungen im Rahmen einiger Veranstaltungen. Unter anderem stand eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion am Programm, die ich moderieren durfte.

Eingeladen zur Podiumsdiskussion waren:

  • Mag. Susanne Kraus-Winker, (Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft)
  • Prof. Dr. Astrid Dickinger, (Modul University)
  • Dr. Markus Gratzer, (Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung ÖHV)
  • Mag. Gregor Kadanka, (Obmann Fachverband der Reisebüros, WKO)
  • Dr. Markus Lassnig, (Salzburg Research)
  • Mag. Oliver Csendes, (Chief Digital & Innovation Officer, Österreich Werbung)

Wie innovativ ist der heimische Tourismus?

Innovation beginnt in der Grundlagenforschung und setzt sich über angewandte Vertiefungen fort. Unternehmen und Gründer:innen setzen die gewonnenen Erkenntnisse in Form von Lösungen für die Branche um. Wo steht die Innovation im heimischen Tourismus im internationalen Vergleich? Welcher Anstrengungen bedarf es um den Innovationsprozess von der Forschung über die Entwicklung bis hin zur Anwendungen zu verbessern? Diese und weitere Fragen durfte ich den Podiumsteilnehmern stellen und die wichtigsten Aussagen hiermit zusammenfassen.

Ein Bereich, in dem der Tourismus bereits sehr innovativ ist, ist die Technologie. Reisebuchungs-Websites und Apps haben es den Kunden deutlich einfacher gemacht, ihre Reisen zu planen, zu buchen und zu verwalten. Auch die Verwendung von künstlicher Intelligenz und Machine Learning hat dazu beigetragen, personalisierte Reiseempfehlungen zu erstellen und die Reiseerfahrung zu verbessern.

Susanne Kraus-Winkler betonte in ihrem Eingangsstatement per Video (sie war leider aufgrund eines Parlamentstermins verhindert), dass Innovation auf allen Ebenen ein MUSS ist. Wir müssen in der Branche innovativ sein und uns weiterentwickeln, um einerseits attraktiv am Arbeitsmarkt zu bleiben und vor allem auch bei den Themen Finanzierung und Mobilität (neben Digitalisierung und Nachhaltigkeit) die richtigen Weichen zu stellen.

Zur Weiterentwicklung braucht es aber auch politischen Willen, waren sich alle Podiumsteilnehmer einig, denn oft wird Innovation durch gesetzliche Rahmenbedingungen gehemmt. Markus Gratzer brachte das mit der schier endlosen Thematik des digitalen Meldescheins auf den Punkt, den wir in der Branche schon seit 20 Jahren diskutieren. Ansonsten versucht die ÖHV auch durch ein starkes Partnernetzwerk Innovationen in der Branche zu verankern. Aber wär trägt freiwillig das operative und finanzielle Risiko bei noch nicht erprobten Produkten und Lösungen? Sinnvoll wäre laut Gratzer eine Art Innovationsförderung, bei der neue Lösungen für eine gewisse Anzahl an Kunden subventioniert werden, um die Pilotphase zu begleiten!

Grundsätzlich stellt sich ja die Frage, was Innovation eigentlich ist bzw. wie Innovation gemessen werden kann. In der Tat keine leichte Aufgabe, aber jedenfalls eine, an der laut Astrid Dickinger intensiv gearbeitet wird. Es geht darum, Indikatoren festzulegen, anhand derer der Impact auf den Betrieb gemessen werden kann. Ein weiteres Thema, das zugegeben den Rahmen der Podiumsdiskussion gesprengt hätte, wurde zumindest am Rande kurz angesprochen und betrifft die Ausbildung bzw. genauer gesagt, die Ansprüche an touristische Uniabgänger, die oft mit der eierlegenden Wollmilchsau verglichen werden können. Vice versa führen die unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnisse zwischen Ausbildungsstätten und Betrieben auch dazu, dass nur ein geringer Teil der Tourismusschüler und Studenten langfristig in der Branche bleibt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Gregor Kadanka, der die Reisemittler in einer Zwischenposition sieht. Technologische Innovation geht immer auch Hand in Hand mit der Innovationsfreudigkeit im Unternehmen bzw. bei den Partnerbetrieben. Dafür braucht es auch das richtige Mindset und Finanzierungsoptionen.

Markus Lassnig setzt mit der Salzburg Research genau da an, wo es um die Umsetzung geht. Innovative Ideen und Unternehmer, die bereit sind, der Forschung eine Bühne zur Praxistauglichkeit zu geben, werden zusammengeführt. Mit dem Innovationslabor „Crowd in Motion“ bündelt man seit letztem Jahr bereits die Expertise von gemeinnützigen Forschungs- und Technologieorganisationen, Innovationsbeschleunigern, Crowd-Plattform-Anbieteren und Digital Fabrication Labs (Fablabs), um die digitale Transformation von Organisationen in der Tourismus-, Sport- und Freizeitindustrie sowie im öffentlichen Sektor zu unterstützen und voranzutreiben.

International gesehen war Österreichs Tourismus in der Vergangenheit bereits Innovationsführer. Man denke nur an die Entwicklung von Tiscover zurück oder an die ersten ENTER-Konferenzen. Es ist schade, dass wir diesen Vorsprung aus der Hand gegeben haben – darüber waren sich alle Podiumsdiskutanten einig. Umso wichtiger ist es, jetzt wieder Fahrt aufzunehmen, um nicht weiter an Boden zu verlieren. Die Vision muss es sein, Österreich wieder an die Spitze zu bringen, wenn es um touristische Innovationen geht. Dazu braucht es einen nationalen Schulterschluss, politischen Willen, gesetzlich förderliche Rahmenbedingungen und das richtige Mindset in den touristischen Unternehmen.

PS: Oliver Csendes musste krankheitbedingt leider kurzfristig absagen.

 

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