Trends und Entwicklungen im Hotelbau

Hotels müssen ein Gefühl von Zuhause vermitteln, aber gleichzeitig auch einen Kontrast bieten. Das Hotel der Zukunft ist kein in sich geschlossenes System mehr, sondern öffnet sich zur Nachbarschaft (Locals) und holt die Natur bzw. die Umgebung (Grätzl) in die Immobilie. Dabei sind einige Trends und Entwicklungen auszumachen, die den Hotelbau beeinflussen.

 

 

 

Flächeneffizienz

Das Geheimnis liegt in einer konsequenten Flächenplanung, vor allem in den öffentlichen Bereichen. Während in städtischen Lagen die Hotelzimmer kleiner, stylischer und effizienter gebaut werden, sind die Einheiten in der Ferienhotellerie eher größer geworden, obwohl die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zurückgeht.

Faktum ist, dass sich bei großen Einheiten pro m² nicht so viel Geld verdienen lässt wie mit effizient optimierten Einheiten. Andere Branchen wie die Kreuz- und Luftfahrtindustrie oder der Yacht-Bau setzen das Prinzip der Flächeneffizienz seit Jahrzehnten gezielt ein, um den Umsatz zu maximieren.

Für Long-Stay Produkte (z.B. Serviced Apartments) werden ebenfalls kreative Lösungen für eine verbesserte Flächeneffizienz entwickelt. Beispiele hierfür sind die Marken Zoku und Stay KooooK, in deren Apartments man mittels Schiebeelementen ganze Möbelstücke „verschwinden“ lassen kann.
Doch nicht nur die front-of-house Bereiche werden effizienter gestaltet, auch die Verwaltungs- und Lagerbereiche (back-of-house) werden bei Neubauten so platzsparend wie möglich geplant.

Living Lobbies

In den vergangenen Jahren haben sich viele dieser Restaurants und deren Bars jedoch zu Hot-Spots der Locals und zu Szenetreffs entwickelt. Doch damit dieser Wandel gelingt ist mehr als guter Service notwendig – vor allem Konzepte, welche junge, attraktive Gäste anlocken sorgen für entsprechendes Image und mehr Umsatz. Der „Coolness-Faktor“ als „Place-to-be“ ist entscheidend. Hoteldesigner und –planer beachten heutzutage mindestens genau so sehr die Gastronomie, wie die Zimmer.

Hotelbetriebe in angesagten innerstädtischen Vierteln lassen Beziehungen zwischen Locals und Reisenden entstehen . Die Lobbies und Restaurants werden sozusagen öffentliche Wohnzimmer („living lobbies“). Oftmals sind bei Erfolgskonzepten die Hotelrezeption, Gastronomie, Co-Working-Space und Chill-out-Area in einem großen public space zusammengefasst, bei dem die Bar das Herzstück bildet. Auch die Servicekultur unterzieht sich einem Wandel, es gilt: Begegnen statt Bedienen.

Um die zuvor beschriebene Symbiose zu schaffen und das Hotel zu DEM Treffpunkt werden zu lassen sind Erlebnis, Emotion und Inszenierung die Schlüsselbegriffe zum Erfolg.

Sharing Economy

Der Trend zur Sharing Economy ist seit geraumer Zeit allgegenwärtig. Tauschen und teilen – insbesondere die jüngere Generation hat einen anderen Zugang zu Besitz. Anders als bei der älteren Generation wird dem Besitz von Gütern ein geringerer Stellenwert beigemessen, was den Erfolg des „Sharings“ erklärt.

Im Vordergrund stehen nicht mehr Güter, sondern Erlebnisse – frei nach dem Motto „collect moments, not things“. Die Folge ist, dass das Erlebnis zum primären Produkt wird. Werte wie die Erfüllung emotionaler Bedürfnisse und Sehnsüchte und die Erlangung eines ganzheitlichen Erlebnisses gewinnen gegenüber rationalen Qualitätsaspekten zunehmend an Relevanz.

In der Gastronomie stellt sich der Trend z.B. in der Form des Food-Sharings oder Family-Style-Dinner dar. Dahinter steht die Idee durch das Angebot vieler unterschiedlicher Gerichte in kleinen Portionen (die gleichzeitig serviert werden) ein neues Genusserlebnis zu schaffen.

Digitalisierung

Es gibt unzählige Möglichkeiten den Hotelaufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und seine Gäste zu unterhalten. So ist es vielen Gästen wichtig im Hotelzimmer seinen persönlichen Content zu streamen und von eigenen Devices auf das Display zu projizieren (Mirroring). Das digitale Hotelzimmer sollte Zugang zu Netflix, AmazonPrime, Apple TV+, Disney+ und Co bieten.

Die Vorstellungen ändern sich, wobei Corona diese Veränderungen noch verstärkt. Das bedeutet, dass sich auch die Ausstattung der Hotels anpassen muss. Concierge Tablets auch bekannt als digitale Gästemappen werden in den letzten Jahren verstärkt in Hotels eingesetzt. Neben allgemeinen Hotelinformationen dienen diese dazu dem Gast auch Service-Leistungen digital zur Verfügung zu stellen.

Man darf bei der Digitalisierung eines Hotels allerdings die Bedürfnisse seiner Gäste nicht außer Acht lassen, denn auch die junge Generation will kein Hotelzimmer, in dem sie alles nur noch per Touchpad bedienen können. Sie wollen sich zurechtfinden, ohne sich mit technischen Spielereien auseinandersetzen zu müssen.

Das Thema Sicherheit wird in Zeiten von Corona ganz großgeschrieben, die Digitalisierung schafft es, den Check-In kontaktlos ablaufen zu lassen, was sowohl zur Sicherheit der Gäste als auch der Mitarbeiter beitragen würde.

Natur Hereinholen

Das Thema Wald und Natur gewinnt immer mehr an Bedeutung, vor allem in Zeiten, in denen man Menschenansammlungen ausweicht und der Stadt entflieht. Es ist erwiesen, dass sich Bewegung im Wald positiv auf Herz, Immunsystem und Psyche auswirken, ebenso wie der Blick auf die Natur, während man sich entspannt. Vor allem stillt der Blick in die Natur die Sehnsucht nach Entschleunigung und nach Geräuschen, die man lange nicht mehr gehört hat, vor allem im urbanen Raum.

Zusammenfassung und weitere Tendenzen für den Hotelbau

  • Flächeneffizienz der Zimmer
  • Flexible Raumgestaltungsmöglichkeiten z.B. durch Schiebeelemente sind nicht nur praktisch, sondern schaffen auch bleibenden Eindruck beim Gast
  • Viele „smarte Möglichkeiten“ – Streaming, Screen Mirroring, Mobile-Check-in/out
  • Living-Lobbies anstatt klassicher, separater Aufteilung in Frühstück, Restaurant, Bar, Lounge, Empfangshalle
  • Co-Working-Space wird wichtiger (Stichwort: remote office) – auch in Ferienhotels
  • Lifestyle-Hotels mit individueller Gestaltung liegen im Trend (aber dabei oft die Gefahr von Austauschbarkeit durch „copy-paste“) – Wichtig: Einzigartigkeit!
    • Viele Ketten steigen ins Lifestyle-Segment ein durch Schaffung von neuen Lifestyle-Marken
    • durch sog. Softbrands geben die Ketten auch privaten Hoteliers die Möglichkeit das Netzwerk zu nutzen (erst kürzlich vorgestellt: IHG – Vignette Collection)
  • Nachhaltige Bauweise und Energieeffizienz
  • Starker Bezug zur Natur durch Gestaltung der Räumlichkeiten mit Pflanzen

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