Digitalisierung der Warenwirtschaft

Warenwirtschaft muss ganzheitlich gesehen werden, denn im Endeffekt geht es um einen Kreislauf, der beim Einkauf (und den zugehörigen Lagern) beginnt und je nach Buchungsstand (nach Segmenten) beeinflusst wird. Die notwendigen Bestellungen laufen hierbei über verschiedenste Kanäle und es ist eine Herkulesaufgabe, dies zu organisieren und gleichzeitig noch auf Qualität, Preis und Liefer-Pünktlichkeit zu achten.

 

 

Gerade die Digitalisierung kann in diesen Prozessen wertvolle Unterstützung bieten, was sich am Ende des Tages positiv auf Arbeitszeit, Produktivität, Kostenreduktion und zufriedenere Mitarbeiter auswirkt. Wie das gehen kann und was man dabei beachten muss, darüber informiert uns Peter Klinger in der aktuellen Podcast-Folge.

Kernaussagen

  • Die touristische Technologielandschaft wird immer mehr ausgebaut, doch der Fokus liegt nachwievor auf Revenue, Marketing und Verkauf.
  • Die Warenwirtschaft wird (vor allem in der privat geführten Ferienhotellerie) bisher noch kaum digitalisiert.
  • Die Warenkosten sind der zweitgrößte Kostenfaktor nach dem Personal.
  • Die einzelnen Arbeitsschritte müssen transparenter und einfacher werden.
  • Die Gästedaten liefern wichtige Erkenntnisse und sollten stets miteinbezogen werden.

Transkript der Podcast-Folge

Marco: Servus Peter, vielen Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst. Ich habe im Intro schon ein wenig über dich und über unser heutiges Thema erzählt, aber sei doch bitte so gut und stell dich unseren Hörerinnen und Hörern selbst noch einmal vor. Wer bist du, und womit beschäftigst du dich?    #00:01:27-3#

Peter: Hallo Marco, grüß dich. Vielen herzlichen Dank für die Einladung. Mein Name ist Peter Klinger. Ich bin seit vielen Jahren im Tourismus und in der Hotellerie tätig. Bei meiner Tätigkeit bei Österreichischen Hoteliervereinigung habe ich die Chance erhalten, die Branche auch von einer anderen Seite her kennenlernen. Dort habe ich mich mit dem Thema Digitalisierung der Hotelbetriebe beschäftigt. Mein Schwerpunkt lag auf F & B, also Food and Beverage, sowie auf dem Einkauf. #00:02:23-9#

Es hat mich schon immer fasziniert, Betriebe ins digitale Zeitalter begleiten zu dürfen, und deshalb habe ich mich im vergangenen Jahr dem Start-up AVISIO angeschlossen. Wir von AVISIO unterstützen die Individualhotellerie dabei, ihre Prozesse in der Warenwirtschaft, dem so genannten Supply Management, zu digitalisieren und ihnen dadurch Zeit und Kosten zu sparen.    #00:02:41-5#

Ich bin ein großer Fan deines Podcasts, lieber Marco, und ich freue mich deshalb sehr, dass ich heute über das Thema Warenwirtschaft sprechen kann.    #00:02:52-5#

Marco: Das ist schön zu hören. Vielen Dank für dein Feedback. Beim Vorgespräch zu unserem Interview hast du mir erzählt, dass dir F & B quasi in die Wiege gelegt wurde. Heute beschäftigst du dich intensiv mit der Digitalisierung, und beides scheint mir eine perfekte Kombination und Voraussetzung für deine derzeitige Tätigkeit zu sein.     #00:03:09-4#

Peter: Ja, das stimmt. Beide Bereiche lassen sich sehr gut verbinden und werden dadurch zu einer spannenden Herausforderung.      #00:03:13-3#

Marco: Kannst du uns erklären, was man unter Warenwirtschaft versteht?    #00:03:21-1#

Peter: Sehr gerne. Warenwirtschaft ist die Steuerung sämtlicher Warenbewegungen. Dazu gehören der Einkauf, die Lagerhaltung und der Verkauf. Es geht darum, was ins Lager hineinkommt, was sich dort befindet und was durch den Verkauf das Lager wieder verlässt. In der Hotellerie denkt man bei Warenwirtschaft zunächst an den F & B Bereich, aber neben Lebensmitteln und Getränken werden natürlich auch zahlreiche Non-Food-Artikel eingekauft. Jedes Hotel benötigt Reinigungsmittel für das Housekeeping, Guest Supplies wie Duschgel und Shampoo für die Zimmer sowie Produkte für die Behandlungen im Spa.     #00:04:34-7#

Marco: Das ist ein ganz wichtiger Hinweis. Zur Warenwirtschaft gehören nicht nur Lebensmittel und Getränke, sondern sämtliche Verbrauchsgüter.    #00:04:47-9#

Peter: Der Warenwirtschaftsprozess beginnt mit dem Einkauf. Bevor eine Bestellung aufgegeben wird, prüft man seine Lagerbestände. Daraufhin bestellt der Hotelier, der F & B Manager oder der Chefkoch, je nachdem, wer für die Bestellungen zuständig ist, die unterschiedlichen Waren über verschiedene Kanäle. Das kann sehr aufwändig sein, vor allem, wenn man dafür zahlreiche Lieferanten, Programme und Passwörter benötigt und seine Bestellungen nicht nur über das System, sondern zusätzlich per E-Mail, Fax, Telefon oder Post aufgeben muss.    #00:05:57-0#

Marco: Immer noch per Fax?    #00:05:56-7#

Peter: Ja, manche Unternehmen nutzen immer noch das Fax. Ich selbst kenne sogar Fälle, in denen der Sommelier seine Bestellungen über WhatsApp aufgibt, weil das der für ihn schnellste Weg ist. Die Herausforderung dabei ist, den Überblick über den Status der verschiedenen Bestellungen zu behalten. Es wäre besser, man hätte eine Übersicht darüber, wer was wie viel und zu welchem Preis bestellt hat. Dafür benötigt man am besten ein einzelnes, digitales System.     #00:06:31-9#

Bei den Verhandlungen mit den Lieferanten ist der Preis nicht immer das entscheidende Kriterium. Bestenfalls arbeitet man mit Partnern zusammen, zu denen sehr gute und langjährige Beziehungen bestehen. Dort kauft man nicht ein, weil der günstigste Preis zählt, sondern weil Zuverlässigkeit und Qualität der Waren stimmen. Vielleicht fährt dieser Lieferant zufälligerweise jeden Tag an unserem Betrieb vorbei und kann seine Waren deshalb immer pünktlich an uns liefern.    #00:07:07-8#

Oft werden Jahresziele mit den Lieferanten vereinbart, die mit einem Rabatt auf weitere Bestellungen verbunden sind. Ein Hotelier sollte alle Bedingungen und Vorteile auf dem Schirm haben und in der Lage sein, sie digital abzurufen. Wer seine Vorbereitungen manuell treffen und Rechnungen und Lieferscheine in Excel übertragen muss, der arbeitet sehr umständlich und verliert wertvolle Zeit.    #00:07:59-1#

Marco: Dieses Vorgehen ist außerdem fehleranfällig.    #00:08:02-1#

Peter: Richtig, und zwar vor allem dann, wenn viele manuelle Schritte nötig sind, um den Prozess abzuschließen. Ich kann mich an eines meiner ersten Praktika in einem Hotel am Wörthersee erinnern. Damals durfte ich den F & B Manager unterstützen. Ich musste ganze Stapel an Lieferscheinen in bereits überquellende Ordner einsortieren, und die Daten mussten zusätzlich in den Computer eingegeben werden. Wenn Differenzen auftauchten, musste ich zum Telefonhörer greifen oder eine E-Mail an den Lieferanten schreiben, um das Problem zu klären. Das war ein sehr aufwändiger Prozess, der viel überflüssige Zeit in Anspruch genommen hat. Leider kam es immer wieder zu solchen Unregelmäßigkeiten.     #00:09:17-3#

Marco: Das hört sich nach einem riesigen Aufwand an.     #00:09:18-2#

Peter: Als F & B Manager verbringt man manchmal mehr Zeit am Telefon als bei der eigentlichen Arbeit mit der Qualität der Waren. Dieses Vorgehen ist auch leider heute noch Standard in vielen Betrieben. Die Zeit während des Praktikums hätte ich besser nutzen können, zum Beispiel, um die Lagerhaltung zu verbessern.    #00:09:56-1#

Sehr oft gibt es Fehlstände, und man muss dem Lieferanten nachweisen, dass er Waren fehlerhaft oder gar nicht geliefert hat. Ein System, das eigenständig die verschiedenen Kanäle nachverfolgt und eine gute Übersicht verschafft, kann Ordnung in dieses Chaos bringen. Die Ergebnisse, schwarz auf weiß vorgelegt, dienen als Basis für die Jahresgespräche mit den Lieferanten. Wer Daten und Fakten hat, ist in einer guten Position, denn sie liefern passende Argumentationen, um bessere Preise, Rabatte oder andere Vorteile auszuhandeln.    #00:10:52-0#

Am Ende des Monats ist natürlich auch die Inventur ein großes Thema. Früher musste man die Produkte abzählen, sie in eine Liste eintragen und dann mit der Inventur des vergangenen Monats manuell abgleichen. Das hat oft einen ganzen Arbeitstag in Anspruch genommen. Rechnet man diesen Aufwand auf die einzelnen Abteilungen hoch, dann kommt für die Inventur ein hoher Mitarbeitereinsatz zustande.    #00:11:28-0#

Einige Betriebe konzentrieren sich lediglich auf den Einkauf und auf die Lagerhaltung. Um eine 360-Grad-Warenwirtschaft effizient zu nutzen, muss man jedoch auch den Verkauf berücksichtigen. Es ist wichtig, dass man einen Überblick über alle Produkte hat, die das Lager verlassen. Ein Abgleich mit dem Kassensystem, dem Pointe oft Sake, zeigt uns an, was noch im Lager vorhanden sein muss.    #00:12:15-2#

Marco: Damit erkennt man den Verbrauch und sieht, wo Einsparungspotenzial bestehen könnte.    #00:12:19-0#

Peter: Genauso ist es. Aber ein solcher Abgleich ist mühsam, und deswegen führt ihn auch kaum ein Betrieb durch.    #00:12:29-8#

Marco: Es ist sehr wichtig zu wissen, was hinter dem Thema Warenwirtschaft steckt. Ich habe mir die Eckpunkte Bestellung und Einkauf, Verhandlung und Kontrolle, Inventur und Verkaufstracking notiert. Das sind die vier Hauptbereiche, wenn ich dich richtig verstanden habe, um die wir uns vorrangig kümmern sollten.    #00:12:45-9#

Peter: Einen weiteren Bereich möchte ich noch hinzufügen, und zwar sind das die Gästedaten. Ich erinnere mich an eine Folge deines Podcasts, in der es um das Thema Datennutzung ging. Hier liegt ein enormes Potenzial, das wir auch für die Warenwirtschaft nutzen können. Wir alle wissen, dass jedes Hotel über einen wahren Datenschatz verfügt, das oft in Systemen wie dem PMS oder dem CRM vergraben ist. Diesen Schatz muss man heben und nutzen, sei es, um Stammgäste an sich zu binden oder um Up-Selling zu betreiben.  #00:13:47-9#

Marco: Das setzt voraus, dass man weiß, welche Daten man nutzen kann. Die erwähnte Podcastfolge werde ich in den Show Notes verlinken.     #00:13:58-1#

Peter: Das ist eine gute Idee. Stell dir vor, ein Stammgast möchte immer gerne einen bestimmten Wein trinken. Damit diese Information nicht verloren geht, muss sie in der Datenhistorie hinterlegt sein und immer wieder auftauchen, wenn der Gast ein Zimmer bucht. Diese Information ist für den Einkauf sehr wichtig. Aus den Gästedaten kann man sehr viel lernen.    #00:14:45-3#

Marco: Der Einkauf  muss wissen, was die Gäste konsumieren möchten.    #00:15:03-2#

Peter: Die Voraussetzung für ein reibungsloses Zusammenspiel ist, die Operative optimal vorzubereiten, um anschließend strategische Elemente einzubringen. Weiß ich, was in meinem Lager vorhanden ist und welchen Wert die Waren haben? Auf dieser Grundlage kann ich die Gästedaten nutzen, um mich strategisch auszurichten und entsprechend effizient einzukaufen.    #00:15:36-2#

Marco: Es ist ein enormer operativer Aufwand, sich um alle Bereiche der Warenwirtschaft kümmern zu müssen. Ich habe einen großen Mitarbeitereinsatz und eine hohe Fehleranfälligkeit. Und hier kommt die Digitalisierung als Unterstützung ins Spiel. Wenn man die Branche beobachtet, dann scheint es, als sei bereits alles digitalisiert. Für jeden Prozess gibt es ein entsprechendes Tool, eine neue Technologie und Dutzende von Anbietern, die man sich an Bord holen kann. Laut einer Studie der Österreichischen Hoteliervereinigung ÖHV, für die du tätig warst, nutzt jedes Hotel bereits fünf bis sechs digitale Tools zur Unterstützung im operativen Ablauf. Wie sieht es mit der Warenwirtschaft aus? Gibt es viele Anbieter, die in den fünf genannten Prozessschritten, die du skizziert hast, unterstützen?    #00:16:39-5#

Peter: Die Digitalisierung ist definitiv in der Hotellerie angekommen. Ständig tauchen neue Programme auf, und die digitale Affinität der Betriebe nimmt weiter zu. Man kann die Hotels mittlerweile als Tech-Unternehmen sehen, die über zahlreiche Schnittstellen und Anbindungen verfügen. Natürlich gibt es immer noch ein Gefälle zwischen Stadt und Land sowie zwischen Hotelketten und Familienbetrieben. Aber dieses Gefälle wird immer kleiner. Das liegt einerseits an den Generationswechseln in den Betrieben, andererseits aber auch an der Coronakrise und der generellen Umstellung von der lokal installierten Software zum Cloud-Computing, also Software as a Service. Es tut sich eine ganze Menge, und gerade Österreich ist im Vergleich zu anderen Ländern auf diesem Gebiet sehr gut aufgestellt. Viele Hotels verfügen inzwischen über eine vorbildliche Technologielandschaft. Es gibt Property Management Systeme, Kassensysteme, CRM, Channel-Management sowie Programme für das Revenue Management. Diese Technologien wollen die Hotels mit einem modernen Warenwirtschaftssystem abrunden.    #00:18:27-0#

Die großen Hotelketten nutzen diese Möglichkeiten bereits seit Langem, und der Großteil arbeitet mit digitaler Warenwirtschaft. Aber knapp 80 Prozent der Individualhotellerie nutzt noch keine entsprechende Software.    #00:18:41-6#

Marco: Bei 80 Prozent der Individualhotels werden die Prozesse, die du vorhin skizziert hast, so sie überhaupt einzeln stattfinden, noch komplett manuell durchgeführt?    #00:18:48-6#

Peter: Ja, noch komplett manuell und analog, so wie in früheren Jahren.    #00:18:55-9#

Marco: Das sind noch sehr viele.    #00:18:56-7#

Peter: Das birgt ein enormes Potenzial. Ein durchschnittliches familiengeführtes Hotel mit 60 Zimmern und 120 Betten hat einen jährlichen Wareneinsatz von circa 700.000,- Euro. Das entspricht der zweitgrößten Kostenstelle nach den Mitarbeiterkosten, und man kann sich vorstellen, was es bedeutet, dass gerade dieser Bereich nicht digitalisiert ist. Ein Hotel arbeitet im Durchschnitt mit 15 unterschiedlichen Lieferanten zusammen und muss in etwa 1.500 Produkte verwalten. An manchen Tagen müssen bis zu 25 Wareneingänge bearbeitet werden. Das ist eine große Herausforderung.    #00:19:53-3#

Marco: Du hast erwähnt, dass 80 Prozent der Individualhotellerie noch keine digitalen Warenwirtschaftstools nutzt. Warum hinkt die Digitalisierung gerade in diesem Bereich hinterher, wenn sie in allen anderen Bereichen bereits angekommen ist?    #00:20:47-1#

Peter: Meiner Meinung nach liegt der Fokus zu sehr auf dem Preis. Bei Pricing Tools und Revenue Management Software kann man direkt einen preislichen Vorteil erkennen und herausarbeiten, und das ist für viele Unternehmer vorrangig interessant. So kann man zum Beispiel ziemlich genau berechnen, zu welchem Preis man seine Zimmer anbieten kann.    #00:21:24-6#

Marco: Aber genauso könnte ich mir doch Gedanken darüber machen, welche Waren ich zu welchem Preis einkaufe.    #00:21:27-4#

Peter: Ja, genau. Das ist vergleichbar mit den Online-Booking-Portalen, deren oft unübersichtliche Angebote eine Preisfindung nicht gerade leicht machen. Einkaufs- und Lagerwirtschaft ist leider in den Hintergrund gerückt, weil der geldwerte Vorteil nicht sofort sichtbar ist. Aber man kann damit enorme Kosten sparen. Dabei muss man auch sehen, dass die Warenwirtschaft einen sehr ähnlichen dynamischen Ansatz wie ein Revenue Management Tool hat.    #00:22:25-3#

Marco: Du hast recht, man kann sehr viele Parallelen zwischen beiden Systemen erkennen. Beim Revenue Management darf man sich nicht nur auf die Erlöse konzentrieren, denn bei den Kosten kann ich ebenfalls viel optimieren. Nur wenn ich beide Seiten gleichwertig beachte, werde ich mich im Gesamten profitabel verbessern. Eigentlich müsste ich die Warenwirtschaft als einen Teil des Total Revenue Managements sehen, um diesen Gedanken fortzusetzen.    #00:22:55-8#

Peter: Ja, definitiv. Die Warenwirtschaft trägt einen großen Teil zum Gesamtergebnis bei. Es geht, wie auch beim Revenue Management, um einen dynamischen Ansatz. Dieser hilft mir herausarbeiten, wie ich das passende Zimmer dem passenden Gast zur richtigen Zeit und zum passenden Preis anbieten kann.      #00:23:23-9#

Marco: Das hast du vollkommen richtig wiedergegeben.    #00:23:26-6#

Peter: Auf diese Art und Weise kann man auch die Warenwirtschaft betrachten, nämlich als ein dynamisches Supply Management, das sicherstellt, dass die passende Ware zum passenden Zeitpunkt in der richtigen Menge vom passenden Lieferanten zum passenden Preis bezogen wird.    #00:23:46-1#

Marco: Und dann noch im richtigen Lager landet! #00:23:48-7#

Peter: Genau, im besten Fall wird die Ware optimal gelagert. Das wäre die Krönung.    #00:23:56-1#

Marco: Die Digitalisierung kann all diese Prozessschritte unterstützen, sei es durch Nachverfolgung, Reporting oder durch die Festsetzung von Konditionen der verschiedenen Lieferanten. Das setzt voraus, dass auch der Lieferant über ein Mindestmaß an Digitalisierung verfügt, denn wie kommen sonst die aktuellen Preise und Vertragsdaten überhaupt in mein System?    #00:24:32-1#

Peter: Das ist die Aufgabe einer digitalen Warenwirtschaft, und das könnte auch der Grund sein, warum sie in den Hintergrund geraten ist. Es reicht nicht aus, Schnittstellen zum Channel Manager oder zur Webseite zu haben, sondern man muss notwendigerweise auch eine Schnittstelle zum Kassensystem oder zum PMS-System haben, um sowohl die Gästedaten zu bekommen als auch eine Anbindung an den Lieferanten herzustellen. Aber es gibt mehrere Möglichkeit der Einbindung, sei es über Kooperationen mit Einkaufsgenossenschaften oder über Transferwege mit einem Server wie SFP. Größere Lieferanten verfügen meist über eigene Schnittstellen, so genannte APIs, Application Programming Interface, die es ermöglichen, Daten minutengenau zu transferieren.    #00:25:48-0#

Marco: Wenn ich Lieferanten habe, die noch nichts digitalisiert haben, dann kann ich zumindest deren Preislisten manuell einspielen lassen.    #00:25:58-7#

Peter: Genauso ist es. Wir arbeiten auch mit einigen Lieferanten zusammen, die ihre Preiskataloge an unsere E-Mail-Adresse senden, und unser Team hinterlegt die Informationen dann in unserer Datenbank.    #00:26:15-8#

Marco: Du hast die Zusammenarbeit mit Einkaufsgenossenschaften angesprochen. Ich gehe davon aus, dass es für jeden der einzelnen Prozessschritte des Kreislaufs einen Anbieter geben wird. Wie unterstützt AVISIO den Hotelier? Deckt ihr das komplette Spektrum ab?    #00:26:37-5#

Peter: Wir möchten dem Hotelier eine 360°-Lösung anbieten. Bei AVISIO sagen wir, dass es nur Sinn ergibt die Warenwirtschaft zu digitalisieren, wenn dieser 360°-Zyklus hergestellt werden kann. Es bringt nichts, lediglich einen digitalen Bestellweg zu haben oder seinen Lagerstand zu digitalisieren. Wir möchten wissen, welche Ware hereinkommt, wie der Bestand ist, was die Ware wert ist und was das Lager wieder verlässt. Auf dieser Grundlage ist eine Inventur per Knopfdruck abrufbar.    #00:27:20-4#

Marco: Und wahrscheinlich kann man auch per Knopfdruck feststellen, wann welches Haltbarkeitsdatum abläuft. Dementsprechend könnte man die Speisekarte anpassen, um alle Lebensmittel optimal zu verwerten.    #00:27:26-5#

Peter: Genauso ist es. Smarte Tools wie AVISIO helfen dabei, diese Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren.    #00:27:41-9#

Marco: Mich beschäftigt außerdem noch die Preisebene. Im Idealfall kann ich erkennen, welche Ware ich von welchem Lieferanten zu welchem Preis erhalte. Ich kann verschiedene Anbieter vergleichen und gegebenenfalls wechseln. Bietet AVISIO eine solche Vergleichsmöglichkeit? Du hast eingangs angesprochen, dass auch Qualität und Pünktlichkeit eine wichtige Rolle spielen, wenn es um Verträge mit Lieferanten geht. Kann ich als Hotelier, der mit AVISIO arbeitet, selbst Prioritäten festlegen? Kann AVISIO verschiedene Bedingungen vergleichen und mir eine optimale Lösung präsentieren? Wie funktioniert das System in der Praxis?    #00:28:21-8#

Peter: Ja, der Bestellprozess von AVISIO bietet diese Möglichkeit, wenn die Lieferanten angebunden sind. Das geschieht über ein so genanntes Product-Mapping. Eine künstliche Intelligenz erkennt gleiche Produkte und stellt sie gegenüber. Das heißt, dass man während des Bestellprozesses jederzeit die Möglichkeit hat, den günstigsten Preis einzukaufen.    #00:28:58-1#

Marco: Wird dabei die gleiche Qualität berücksichtigt?    #00:28:58-9#

Peter: Ja, die wird berücksichtigt.    #00:29:00-0#

Marco: Selbst, wenn ein Lieferantenwechsel vorgeschlagen wird, kann ich mir sicher sein, dass die Qualität der Produkte vergleichbar ist.    #00:29:08-8#

Peter: Es bleibt bei der gleichen Qualität. Zeitgleich gibt es die Möglichkeit, die Preisthematik auszublenden, zum Beispiel, wenn das Hotel einen Lieblingslieferanten hat, mit dem es weiter zusammenarbeiten möchte.    #00:29:28-9#

Marco: Ich kann mich auf ein bestimmtes Produkt und einen bestimmten Lieferanten festlegen, unabhängig davon, ob es woanders günstiger ist.    #00:29:29-1#

Peter: Ja, so ist es. Das ist im System fix hinterlegt, und dort kann von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestellt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, die Freigabe eines Vorgesetzten einzufordern, wenn beispielsweise der Bestellwert über eine bestimmte Summe hinausgeht.    #00:30:03-6#

Marco: Ich nehme an, dass man auch unterschiedliche Rechte für die verschiedenen Abteilungen vergeben kann.    #00:30:15-7#

Peter: Genauso ist es.    #00:30:19-9#

Marco: Gibt es neben der Digitalisierung der Warenwirtschaft noch weitere Visionen bei AVISIO? Wo seht ihr die größten Hürden?    #00:30:36-0#

Peter: Wir möchten das Supply Management, also die Warenwirtschaft, einfacher, transparenter und effizienter machen und damit die Technologielandschaft abrunden. Wir wollen die Schwachstellen der Individualhotellerie, also die Ressourcen und den Personalmangel, durch smarte digitale Tools unterstützen. Und wir arbeiten daran, dass die Hotels ihren vorhandenen Schatz an Gästedaten auch für die Warenwirtschaft optimal nutzen. Das ist die Vision von AVISIO. #00:31:28-9#

Marco: Damit am Ende des Tages nicht mehr 80 Prozent manuell arbeiten, sondern nur noch 20 Prozent. Du hast am Anfang unseres Gesprächs dein Praktikum am Wörthersee erwähnt, bei dem du große Herausforderungen meistern musstest. Die Warenwirtschaft war mit sehr viel Aufwand verbunden. Ist dir bekannt, wie das Haus heute zur Digitalisierung der Warenwirtschaft steht?    #00:31:58-3#

Peter: Das ist eine sehr gute Frage. Ich würde mich freuen, wenn sich das Haus digital weiterentwickelt hat. Mein dortiger Einsatz war ein wichtiger Wegweiser für mich, und ich durfte sehr viel lernen. Es war ein größeres Hotel in Pörtschach. Ich bin froh, dass ich in jungen Jahren den Service, die Küche, aber eben auch die F & B Administration und die einzelnen Prozesse kennenlernen durfte.    #00:32:51-7#

Marco: Das war sicher sehr wichtig für deinen weiteren beruflichen Weg und auch für AVISIO. Vielleicht kannst du dem Hotel mit der Digitalisierung etwas zurückgeben. Lieber Peter, wir sind fast am Ende unseres Interviews angelangt. Gibt es noch etwas, was du abschließend loswerden möchtest? Hast du Tipps für Hoteliers, die sich dem Thema widmen wollen?    #00:33:17-0#

Peter: Wenn man sich mit dem Thema Digitalisierung der Warenwirtschaft auseinandersetzt, dann ist es wichtig, sich nach einer Lösung umzuschauen, die auf das eigene Hotel und seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Es gibt sehr große und erfahrene Player am Markt. Sie werden jedoch oft mit der Kettenhotellerie in Verbindung gebracht, wo man eigene Mitarbeiter oder sogar eine ganze Abteilung hat, die sich um die Details kümmern können. Gerade die Kettenhotellerie hat noch den Vorteil, dass sie mehrere Häuser hat und für alle Häuser gesammelt einkaufen kann. Damit kann sie natürlich bessere Konditionen aushandeln. Diese Ressourcen kann sich kein Individualhotel leisten, schon gar nicht vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Mit entsprechenden Programmen spart man viel Zeit, und die Mitarbeiter werden freigespielt. Dadurch kommt es zu einer enormen Kostenersparnis. Das gilt auch für den optimierten Einkauf, der von Preisvergleichen und Bestpreisen profitiert. Die Fehlerquoten werden gesenkt, und die Nachhaltigkeit wird verbessert. Die Zettelwirtschaft wird abgeschafft. Es gibt keine ausgedruckten Excel-Listen mehr, die womöglich im Laufe der Zeit verschwinden und dafür sorgen, dass man keinen Nachweis mehr hat, wie es zu einem gewissen Zeitpunkt im Lager ausgesehen hat. Zusätzlich ist das Problem des Abfalls zu erwähnen, das durch einen smarten Einkauf deutlich reduziert wird. Es kommt zu keiner Überlagerung, weil die PMS-Daten zeigen, wie viele Gäste ich erwarte und welchen Lagerbestand ich halten muss.    #00:35:36-6#

Es gibt auch Häuser, die Woche für Woche immer das Gleiche bestellen, ohne zu prüfen, was tatsächlich benötigt wird. Das führt zur Produktion von Abfall und zu Verschwendung von Lebensmitteln oder anderen Waren, die ein Ablaufdatum haben. Es liegt nicht immer nur an der Zubereitung, sondern oft am falschen Einkauf. Schade, dass dieses Geld ungenutzt verschwindet.    #00:36:09-7#

Marco: Vielen Dank, lieber Peter, wir haben viel von dir lernen können und haben viel mitgenommen. Ich freue mich darauf, das Thema weiter zu beobachten und bin schon sehr gespannt, wie sich dieses Thema Digitalisierung in der Warenwirtschaft weiter entwickeln wird. Danke für das Gespräch und für deine Einblicke.    #00:36:33-8#

Über Avisio

Avisio hilft Individualhotels – im speziellen familiengeführte Individualhotels – ihr gesamtes Warenmanagement (F&B, Spa-Artikel, Hygieneartikel, etc.) zu professionalisieren und effizienter zu machen. Im konkreten wird der Einkauf und die Lagerhaltung vollständig digital an einem Ort schnell und einfach verwaltet. Damit der zweitgrößte Kostenfaktor im Betrieb optimal verwaltet werden kann, werden die Daten im Hotel genutzt (wie z.B. Gästedaten, historische Daten, etc.), damit die Hoteliers tagtäglich optimale und automatisierte Entscheidungen treffen können.

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