Digitalisierung der During-Stay Phase

Digitalisierung ist nicht gleich Digitalisierung, sondern es geht darum, technologische Prozesse so abzubilden, damit sie uns operativ unterstützen. Im aktuellen Artikel haben wir uns ein Nischenthema herausgesucht, nämlich die Digitalisierung der During-Stay Phase.

Doch was genau ist die „During-Stay Phase“? Die Customer Journey eines Gasts umfasst die Pre-Stay-, die During-Stay- und die Post-Stay Phase. Bei der During-Stay Phase geht es um den Gast und seine Wünsche während des Aufenthalts im Hotel. Was genau digitalisiert werden kann, um uns operativ zu unterstützen, wird Moritz von Petersdorff-Campen erzählen. Moritz ist Gründer und Geschäftsführer von SuitePad. Bekannt geworden ist SuitePad durch Tablets, die wir unseren Gästen als digitale Unterstützung im Hotelzimmer anbieten können.

 

 

 

Kernaussagen zur Digitalisierung der During-Stay Phase

  • Der Harvard Business Review hat eine Studie durchgeführt und untersucht, welche Branchen am wenigsten digitalisiert sind. Die gute Nachricht lautet: Die Hotellerie war nicht an letzter Stelle.
  • Der typische familiengeführte Urlaubsbetrieb kann sowohl der innovativste als auch derjenige sein, der total hinterherhinkt.
  • Viele der modernsten Hotels, die wir in Europa haben, sind familiengeführte Ferienbetriebe. Aber es gibt natürlich auch solche, die seit 50, 60 oder 70 Jahren wenig an ihrem Konzept verändert haben und bisher nicht auf die Digitalisierung aufgesprungen sind.
  • Wenn wir den Gast weiterhin an uns binden wollen, dann müssen wir während des Aufenthaltes einen verdammt guten Job machen.
  • Vor dem Aufenthalt und nach dem Aufenthalt ist alles komplett digitalisiert, aber während des Aufenthaltes laufen die meisten Gästeanfragen häufig noch per Telefon oder persönlich über die Rezeption ein.
  • Der persönliche Kontakt gibt uns die Chance, Loyalität zum Kunden aufzubauen. Im Zimmer ist der Gast allein, und da bietet es sich an, das Tablet in die Hand zu nehmen und digital zu kommunizieren.

Transkript dieser Podcast-Folge

Marco: Hallo Moritz, herzlich willkommen bei Smart Hotel Key. Vielen Dank, dass du uns heute für ein spannendes Interview rund um die Digitalisierung zur Verfügung stehst. Ich habe in der Einleitung schon erzählt, worum es heute gehen wird und wer mein Gesprächspartner ist. Sei doch so gut und stell dich für alle, die dich noch nicht kennen, selbst vor. Wer bist du, und womit beschäftigst du dich Tag für Tag bei SuitePad? #00:01:47-6#

Moritz: Sehr gerne. Vielen herzlichen Dank, dass ich heute bei euch sein darf und dass wir uns zum Thema Digitalisierung in der Hotellerie austauschen können. Mein Name ist Moritz, ich bin einer von zwei Gründern und Geschäftsführern von SuitePad aus Berlin. Ich beschäftige mich sehr viel mit der Digitalisierung in der Hotellerie, aber in der täglichen Routine bin ich für ein Team von mittlerweile 60 Personen verantwortlich. Ich arbeite mit dem Marketing- und Vertriebsteam, mit dem Finance Team und auch mit der Kundenbetreuung zusammen. Mein Mitgründer Tilmann Volk trägt vor allem für die Produktentwicklung und für das Onboarding die Verantwortung. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Und wenn mich das Unternehmen nicht in Beschlag nimmt, dann machen es die Kinder.    #00:02:52-1#

Marco: Das kenne ich sehr gut, da haben wir etwas gemeinsam. Die Digitalisierung ist dein tägliches Brot. SuitePad ist in der Hotelbranche bekannt, und ihr seid bereits seit zehn Jahren auf dem Markt. Die meisten verbinden mit SuitePad das Tablet auf dem Hotelzimmer. Was hat sich aus deiner Sicht in den vergangenen zehn Jahren in der Hotellerie getan, vor allem in der Digitalisierung?    #00:03:19-6#

Moritz: An einigen Stellen hat sich sehr viel getan, an anderen wiederum wenig. Der Harvard Business Review hat eine Studie durchgeführt und untersucht, welche Branchen am wenigsten digitalisiert sind. Die gute Nachricht lautet: Die Hotellerie war nicht an letzter Stelle, sondern Hunting und Farming sowie die Baubranche haben noch schlechter abgeschnitten. Das heißt aber auch, dass es in der Branche noch viel nachzuholen gibt. Aber gerade in den letzten drei Jahren, sicher auch getrieben durch die Pandemie, hat sich einiges getan. Als ich vor zehn Jahren selbst noch viele Individualhotels in Deutschland und Österreich betreut habe, bin ich immer wieder auf Häuser gestoßen, die der Meinung waren, dass die Digitalisierung ein Teufelszeug sei, das man nicht bräuchte. Heute haben die allermeisten Hotels verstanden, dass das Leben bunt ist, dass die Gäste unterschiedliche Präferenzen haben und dass sich Informationstechnik und persönlicher Kontakt sehr gut miteinander verbinden lassen. Jeder weiß, dass man sich digital ausrüsten muss. Das bestätigt mir, dass in der Hotellerie in den letzten Jahren definitiv ein Mindset-Shift stattgefunden hat. #00:05:03-5#

Marco: Du hast erwähnt, dass du viel unterwegs bist und auch familiengeführte Hotels besuchst. Abgesehen vom Mindset, sind inzwischen die meisten Prozesse digitalisiert oder trifft man noch auf Betriebe, die nach dem Motto „in alten Kesseln kocht es sich gut“ arbeiten? Ist ein Unterschied zwischen den Hotelketten und den familiengeführten Betrieben zu erkennen?    #00:05:31-7#

Moritz: Der typische familiengeführte Urlaubsbetrieb kann sowohl der innovativste als auch derjenige sein, der total hinterherhinkt. Viele der modernsten Hotels, die wir in Europa haben, sind familiengeführte Ferienbetriebe. Aber es gibt natürlich auch solche, die seit 50, 60 oder 70 Jahren wenig an ihrem Konzept verändert haben und bisher nicht auf die Digitalisierung aufgesprungen sind. Im Großen und Ganzen heißt das: Es kommt auf den Hotelier an, und es gibt immer positive wie negative Beispiele. Alle gemeinsam spüren den aktuellen Fachkräftemangel, und das verstärkt den Trend.     #00:06:34-0#

Ich würde sagen, dass die kettengeführte Stadthotellerie die Nase vorn hat, wenn es um die Technologisierung geht. Auf der anderen Seite kann ein innovativer Familienbetrieb aus dem Ferienbereich aber viel gestaltender und schneller sein als die durchschnittliche Hotelgruppe, die wir in den Städten finden. Am Ende kommt es auf die Menschen und auf die Größe des Betriebs an. Ein kleines Unternehmen kann schneller und wendiger agieren als ein großes und deshalb am Markt digitaler vertreten sein.  #00:07:04-9#

Marco: Bei den kleineren Hotels geht es schneller voran, weil die Entscheidungswege kürzer sind als in der Kettenhotellerie. In familiengeführten Häusern kann man mehr bewegen, als einem bewusst ist. Digitalisierung ist ein allumfassendes Thema, aber wir wollen uns heute auf einen Teilprozess konzentrieren, bei dem ihr euch bei SuitePad einen Expertenstatus erarbeitet habt. Es geht um die During-Stay Phase. Eine Customer Journey umfasst die Phasen Pre-, During- und Post-Stay Phase und bildet den kompletten Aufenthaltszyklus des Gastes ab. Welche Prozesse gehören zu diesem Kreislauf, und welchen Einfluss hat dabei die Digitalisierung?    #00:08:12-1#

Moritz: Es ist nicht einfach, die drei Phasen klar voneinander abzugrenzen. Da fällt mir der Fußballer-Spruch ein, „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, ein passender Vergleich. Ich glaube, das Gleiche gilt für den Hotelaufenthalt, und zwar ganz besonders dann, wenn man sich das Ziel gesetzt hat, eine loyale Gästebasis aufzubauen. Doch schauen wir uns die Customer Journey vom Ende aus an, also bei der Abreise. Wenn wir den Gast weiterhin an uns binden wollen, dann müssen wir während des Aufenthaltes einen verdammt guten Job machen. Wir müssen den Gast dazu bringen, dass er wiederkommen möchte. Ich muss ihn in meine digitalen Marketing-CRM-Tools hineinholen, sei es mit Hilfe von E-Mail-Marketing oder über andere Wege, die uns zur Verfügung stehen, um die Phase nach dem Aufenthalt angenehm zu gestalten. Wir alle kennen die Möglichkeit, den Gast nach seinem Feedback zu fragen, zum Beispiel direkt über die Hotelwebseite ober über externe Anbieter wie Booking, Tripadvisor und Co. Im besten Fall wird der Gast jetzt vom Hotel dazu animiert, auch seinen nächsten Urlaub wieder vor Ort zu verbringen. Dann bucht er, und mit der Buchung sind wir wieder in der nächsten Pre-Stay Phase. Der Gast bucht oder benötigt weitere Informationen, und wir kommunizieren über Chat-Bots, WhatsApp oder SMS. Wenn der Gast das nächste Mal kommt, checkt er womöglich digital ein und bekommt einen digitalen Schlüssel. Und dann sind wir schon wieder in der Phase während des Aufenthalts, und so schließt sich der Kreis. Die Bereiche gehen ineinander über und sind nur schwer zu trennen. Trotzdem ist diese Einordnung sinnvoll, damit wir uns gut auf die einzelnen Teilbereiche konzentrieren können.    #00:09:57-9#

Marco: Man kann sich bereits während des Aufenthalts im Hotel für die nächste Buchung inspirieren lassen. Damit verschmilzen die Post-Stay-, During-Stay und Pre-Stay Phase zu einem Bereich. Wenn wir von der bereits vorhandenen Digitalisierung in der ersten und dritten Phase sprechen, dann haben wir mit Pre- und Post-Stay zwei Bereiche, die schon längst digitalisiert und automatisiert sind. Was aber tut sich während des Aufenthaltes, also in der During-Stay Phase?    #00:10:35-7#

Moritz: Du hast es schon sehr gut beschrieben. Es ist verrückt, wenn man darüber nachdenkt, wie sehr die Phase während des Aufenthaltes in vielen Bereichen noch hinterherhinkt. Die allermeisten Buchungen kommen digital, sei es über die Hotelwebseite oder über Booking. Der Gast hinterlässt sein Feedback gelegentlich noch per Papierfragebogen, aber meist kommen die Bewertungen digital über Trip Advisor, Booking oder über Bewertungsportale. Vor dem Aufenthalt und nach dem Aufenthalt ist alles komplett digitalisiert, aber während des Aufenthaltes laufen die meisten Gästeanfragen häufig noch per Telefon oder persönlich über die Rezeption ein. Das gilt zum Beispiel für den Room Service oder für das Spa. Zu Hause sind es die Menschen jedoch gewohnt, die Pizza digital über einen Lieferservice zu bestellen. Schon 2020 während der Pandemie waren 65 Prozent aller Buchungen digital. Trotzdem laufen in der Hotellerie auch heute noch mehr als 80 Prozent aller Room Service Bestellungen über das Telefon. Der Gast, der zu Hause digital ordert, bestellt im Hotel über das Telefon. Meine Hypothese ist, dass es nicht am Gast liegt, dass er zum Hörer greifen muss.    #00:12:17-1#

Marco: Wahrscheinlich liegt es nicht an der Nachfrage, sondern am Angebot.    #00:12:17-8#

Moritz: Es liegt tatsächlich an den fehlenden Kanälen. Meist werden entweder keine digitalen Wege bereitgestellt oder sie werden selten genutzt. Die Tatsache, dass unsere Branche bei der Digitalisierung hinterherhinkt, führt dazu, dass wir noch nicht auf der gleichen Ebene sind wie in den Phasen vor und nach dem Aufenthalt.    #00:13:05-9#

Marco: Könnte das daran liegen, dass man Angst hat, den persönlichen Kontakt zu meinen Gästen zu verlieren?    #00:13:15-7#

Moritz: Ich glaube, dass das tatsächlich eine Sorge der Hotels ist. Meine Meinung dazu ist, dass der Gast entscheiden soll, welche Kommunikationskanäle er nutzen möchte. Ich weiß, dass einige das nicht gerne hören, weil der persönliche Kontakt auch die Stärke eines Hauses ausmacht. Das soll auch so sein, denn für viele Gäste ist eine gute Interaktion der ausschlaggebende Grund, warum ein Hotel gebucht wird. Das kenne ich selbst von meinen Skiurlauben in Österreich. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der Gast entscheiden soll, ob er seinen Room Service digital oder persönlich bestellen will. Dieses Ziel sollte jedes Hotel verfolgen, denn es ist nah am Gast. Wenn wir ihm verschiedene Optionen anbieten, dann können wir seine Wünsche besser bedienen. Meiner Erfahrung nach haben bereits viele Hotels verstanden, dass es darum geht, sich auf den Gast auszurichten. Wenn der Gast wegen eines Handtuchs nicht am Empfang anrufen, sondern digital bestellen möchte, dann ist das erstens gut für den Gast, weil er es sich so wünscht, und zweitens ist es gut für das Hotel, denn es spart uns Zeit. Die Bestellung geht direkt vom Gast an den richtigen Mitarbeiter im Haus und muss nicht über den Empfang weitergeleitet werden. Die Rezeption wird entlastet, und darüber freuen sich in der Regel auch die Hoteliers.    #00:14:59-2#

Marco: Es hilft uns auch, Daten zu sammeln und auszuwerten. Wir erkennen schwarz auf weiß, welche Services angefragt und genutzt werden.    #00:15:24-3#

Moritz: Einerseits betrifft das die Buchung, aber was noch viel interessanter ist, ist die Erkenntnis darüber, was nicht gebucht wird. Für welche Angebote interessiert sich der Gast, nutzt sie aber schlussendlich nicht? Muss ich möglicherweise meine Beschreibung oder meinen Preis ändern? Gerade in Spa Hotels, wo viel Geld im Spiel ist, geht es auch darum, wann sich der Gast mit der Buchung von Anwendungen beschäftigt. Wir erkennen, dass dies sehr häufig der Fall ist, wenn er abends nach dem Essen zurück auf sein Zimmer geht. Er nimmt sein SuitePad in die Hand und informiert sich über die Angebote im Haus. Dummerweise ist zu diesem Zeitpunkt das Spa nicht mehr besetzt. Hätte er eine digitale Lösung zur Hand, die 24 Stunden erreichbar ist, könnte er jederzeit buchen. Der Mitarbeiter im Spa könnte kurz vor Feierabend eine Push-Nachricht senden, dass zum Beispiel morgen um 17:00 Uhr noch ein Termin frei ist. Dieser hätte dann die Möglichkeit, den Termin anzunehmen. Das Beispiel zeigt, dass ein persönlicher Kontakt nicht notwendig ist, um sowohl dem Gast als auch dem Hotel einen Vorteil zu bieten.      #00:16:48-0#

Marco: Über welche Kanäle kommen die von dir angesprochenen Push-Nachrichten zum Gast? Läuft das über das Tablet oder über das eigene Handy, mit dem man sich im Spa einloggen muss? Wie funktioniert das in der Praxis, und mit welchen Botschaften erreiche ich die Gäste, ohne sie zu belästigen? Aus Erfahrung weiß ich, dass ich Push-Nachrichten von Apps abschalte, um möglichst wenig genervt zu werden.    #00:17:22-6#

Moritz: Neben unserem In-Room-Tablet bieten wir auch Anwendungen für die Geräte des Gastes an, zum Beispiel eine mobile Webseite, über die man buchen kann. Der gigantische Vorteil des Tablets liegt in den Nutzungsstatistiken. Als Branche werden wir den Shift zur Digitalisierung nur hinbekommen, wenn wir Lösungen bieten, die vom Gast genutzt werden. Je nach Hotel sehen wir, dass Nutzungsstatistiken über das Tablet zehnmal aussagekräftiger sind als mit privaten Geräten. Das liegt daran, dass mit dem Tablet auch die Fernbedienung und das Telefon ersetzt werden können, was die Nutzung weiter intensiviert. Das zweite Vorteil ist die Anwendungsfreundlichkeit. Der Gast muss sich Anwendungen nicht erst herunterladen, sondern das Gerät mit seinen Programmen steht sofort zur Verfügung. Er nimmt es in die Hand und legt los. Das Hotel wiederum hat den klaren Vorteil, dass es jederzeit zu allen Gästen auf allen Zimmern gleichzeitig Nachrichten senden kann. Bei einer Hotel App habe ich häufig das Problem, dass ich nur diejenigen Gäste erreiche, die sie sich tatsächlich herunterladen. Von diesen Gästen denkt die Mehrheit wie du, Marco, und schaltet nervige Push-Mitteilungen aus. Am Ende erreichst du über die App womöglich nur noch zwei von 100 Gästen, um ihnen mitzuteilen, dass morgen ein Termin im Spa frei ist. Über das Tablet kannst du deine Nachricht schnell und einfach an alle Geräte schicken. Natürlich nimmt nicht jeder Gast täglich das Gerät in die Hand, aber trotzdem hast du eine viel größere Reichweite als bei Lösungen, die über die eigenen Geräte laufen. Auch wenn wir unser Produktportfolio mittlerweile breiter aufgestellt haben, liegt unser Fokus weiterhin auf den In-Room Tablets.    #00:19:43-3#

Marco: Du erreichst den Gast genau dann, wenn er Zeit und Lust hat, sich mit den Angeboten zu beschäftigen. Das Handy wird oft genug regelrecht zugemüllt, und man verliert die Lust, sich mit den eingehenden Nachrichten zu befassen. Das schreckt den Nutzer ab. Du hast angesprochen, dass die Daten wichtig sind, und du hast den Fachkräftemangel erwähnt, dem wir entgegenwirken können, wenn wir die Rezeption entlasten. Wie funktionieren eure Anwendungen in der Praxis? Benötigt ihr Schnittstellen zu anderen Systemen, die die Daten weitergeben? Wie wird die Kommunikation hergestellt, und welchen Nutzen schafft ihr mit euren digitalen Tools? #00:20:47-8#

Moritz: Bestimmte Nachrichten müssen nicht mehr über die Rezeption laufen, wenn die Kommunikation im System integriert ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht mehr 30 Zimmer ablaufen muss, um Papierseiten auszutauschen. Ein ganz anderer Bereich, bei dem es um echtes Geld geht, ist die Zimmerreinigung. Laut einer Befragung wären 30 Prozent der Gäste damit einverstanden, dass ihr Zimmer nicht mehr täglich gereinigt wird. In der Ferien- oder in der Stadthotellerie, wo eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von mehr als 1,5 bis 1,7 Tagen üblich ist, können dadurch bis zu 160 Zimmerreinigungen pro Monat eingespart werden. Wir alle wissen, dass Mitarbeiter nicht günstiger werden. Wenn ich in einer Stadt wie Wien mit externen Dienstleistern arbeite, bin ich schnell bei 9,- oder 10,- Euro. Bei einem Hotel mit 100 Zimmern sind das über 1.500,- Euro an monatlichen Kosten, die ich an den Dienstleister weitergeben würde, aber einsparen könnte. Kein Hotelbetreiber möchte in der heutigen Zeit sein Personal entlassen, und auch das Housekeeping hat immer genug zu tun. Von daher ist das auch eine Möglichkeit, um Überstunden abzubauen.    #00:22:46-7#

Marco: Das sind ganz wichtige Themen. Alles, was die Mitarbeiter entlastet, hilft dem ganzen Haus, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Ein Punkt noch zur Digitalisierung generell in der During-Stay Phase. Ist es sinnvoll, alles zu digitalisieren oder gibt es Bereiche, in denen der menschliche Kontakt unersetzbar ist? Welche Ansätze gelten deiner Meinung nach, „digital first“ oder „digital only“? Wohin geht die Reise? #00:23:24-8#

Moritz: Es kommt sehr stark auf das Konzept eines Hotels an. Ich persönlich benötige als Businessreisender keinen persönlichen Kontakt, wenn ich spät abends in einem Hotel einchecke und am nächsten Morgen wieder weiterreise. Ein perfektes Erlebnis besteht für mich darin, gut geschlafen und mich wohlgefühlt zu haben. Ein digitaler Check-in würde mich nicht stören. Etwas Anderes ist ein Urlaubsaufenthalt. Im Ferienhotel bevorzugen je nach Betrieb nur 10 und 20 Prozent der Gäste digitale Check-in-Lösungen. Der Großteil möchte gerne von einem Mitarbeiter eingecheckt werden. Gerade in der Ferienhotellerie wäre das auch mir persönlich ein großes Bedürfnis, weil ich gleich zu Beginn etwas über das Haus lernen möchte, über die Region und über seine Menschen. Das ist ein ganz großes Asset, was unsere Branche besitzt. Damit sollten wir arbeiten, weil es uns als Hotel vom Wettbewerb aber auch als Hotellerie insgesamt von anonymen Buchungsplattformen unterscheidet. Der persönliche Kontakt gibt uns die Chance, Loyalität zum Kunden aufzubauen. Von daher gibt es nach wie vor viele Bereiche, in denen ich zwar digitale Lösungen anbieten sollte, wo aber auch der persönliche Kontakt wichtig ist. Im Zimmer ist der Gast allein, und da bietet es sich an, das Tablet in die Hand zu nehmen und digital zu kommunizieren. Gerade für privat geführte Betriebe ist die persönliche Interaktion immer noch ein großer Wert, mit dem man arbeiten kann und sollte.    #00:25:26-7#

Marco: Das sehe ich genauso. Lieber Moritz, wir sind am Ende unseres Gesprächs angelangt. Hast du noch einige abschließende Tipps für alle Hoteliers, die sich noch nicht im Detail mit der Digitalisierung während der Aufenthaltszeit des Gastes beschäftigt haben? Womit sollte man beginnen?    #00:25:54-1#

Moritz: Zunächst sollte man sich die Frage beantworten, warum man sich mit dem Thema beschäftigt. Wenn ich meine Ziele definiert habe, dann ist es leichter, die passende Lösung zu finden. Möchte ich beispielsweise nur eine digitale Lösung, um zu zeigen, dass ich mit der Zeit gehe, dann ist es etwas Anderes als wenn ich mit der Umstellung der Technologie die Umsätze erhöhen oder Kosten einsparen will. Eine gute Orientierung gibt unsere Webseite, wo wir einen Leitfaden zu den unterschiedlichsten Produkten eingestellt haben. Das sind teilweise Produkte, die wir selbst nicht anbieten, aber empfehlen. Zum Beispiel ist das Tablet nicht für jeden Betrieb das passende Mittel der Wahl. Darüber hinaus bietet auch unsere SuitePad Academy wichtige und interessante Informationen. Das ist eine kostenlose Online Schulungsplattform. Aufgrund des Fachkräftemangels ist es schwer, Leute in die Branche hineinzuholen, aber wichtig ist auch, dass wir die Leute, die bereits bei uns sind, weiterbilden. Dadurch werden sie in die Lage versetzt, dem Gast einen hervorragenden Service zu bieten. Der Kurs ist kostenlos und führt auch Interessierte, die sich noch nicht mit dem SuitePad auskennen, an das Thema heran. Das empfehle ich als Start, wenn man sich mit der Technologisierung der Aufenthaltsphase, der During-Stay Phase intensiver beschäftigen möchte.    #00:27:49-6#

Marco: Die SuitePad Academy und das PDF werden wir sehr gerne im Artikel und in den Show Notes verlinken. Moritz, vielen Dank, dass du heute im Podcast zu Gast warst.    #00:28:00-6#

Moritz: Marco, ich bedanke mich. Es hat großen Spaß gemacht.    #00:28:05-2#

Über Moritz und Suitepad

Moritz von Petersdorff-Campen ist Gründer und Geschäftsführer der SuitePad GmbH. Nach seinem Studium an der WHU Otto Beisheim School of Management leitete Moritz ein Cloud Computing Start-up, bevor er 2012 in Berlin zusammen mit Tilmann Volk SuitePad gründete. Er ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Unternehmens und leitet das Go-To-Market-Team sowie die administrativen Abteilungen.

SuitePad ist Europas führender Anbieter von In-Room Tablets in der Hotellerie. Die Lösung ersetzt traditionelle Gästemappen, unterstützt Upselling und vereint Fernbedienung und Telefon in nur einem Gerät. Mehr als 1.000 Kunden weltweit — von renommierten Hotelketten bis unabhängigen Boutiquehotels — nutzen die digitale Plattform, um Gästekommunikation zu verbessern, höhere Umsätze zu erzielen und Prozesse zu optimieren. Im Januar 2022 wurde SuitePad zum dritten Mal in Folge mit dem HotelTechAward „Best Guest Room Tablet“ ausgezeichnet. Das Berliner Unternehmen wurde 2012 gegründet und beschäftigt rund 60 Mitarbeiter aus 17 Ländern.

 

 

 

 

 

 

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