Alpine Destination Report 2027: Lech Zürs gewinnt das Rennen der Bergdestinationen

Zum Ski-Weltcup-Auftakt in Sölden erscheint unser neuer Alpine Destination Report. Welche österreichischen Bergdestinationen sind besonders wettbewerbsfähig, wer liegt im Ranking vorne und warum sind hohe Nächtigungszahlen allein noch kein Erfolgsrezept?

Während in Sölden die internationale Ski-Elite in die neue Weltcup-Saison startet, richtet sich der Blick wieder auf Österreichs Bergdestinationen. Während auf dem Rettenbachgletscher um die ersten Weltcuppunkte gekämpft wird, beschäftigen wir uns mit einer anderen spannenden Frage: Welche alpinen Destinationen sind eigentlich wirtschaftlich besonders stark aufgestellt – und warum?

 

 

Gemeinsam mit Thomas Reisenzahn und Andrä Hellweger haben wir erneut 26 führende österreichische Bergdestinationen untersucht und hinsichtlich ihrer touristischen Nachfrage, ihrer wirtschaftlichen Positionierung und ihrer Attraktivität miteinander verglichen. Ergänzend werfen wir einen Blick auf acht bekannte Schweizer Tourismusorte. Das Ergebnis liefert spannende Erkenntnisse darüber, welche Regionen heute besonders wettbewerbsfähig sind und welche Faktoren für ihren langfristigen Erfolg entscheidend sein werden.

Lech Zürs vor Kitzbühel und dem Ötztal

Und passend zum Weltcup-Auftakt darf sich auch das Ötztal über einen Podestplatz freuen. Ganz oben steht im diesjährigen Gesamtranking allerdings eine andere Destination: Lech Zürs / Warth-Schröcken sichert sich den ersten Platz, gefolgt von Kitzbühel Tourismus. Den dritten Rang teilen sich Ötztal Tourismus und St. Anton am Arlberg.

Die Top 10 des Alpine Destination Reports 2027:

Rang Destination
1 Lech Zürs / Warth-Schröcken
2 Kitzbühel Tourismus
3 Ötztal Tourismus
3 St. Anton am Arlberg
5 Zell am See-Kaprun
6 Saalbach Hinterglemm
7 Paznaun-Ischgl
8 Tux-Finkenberg
9 Gasteinertal
10 Obertauern
10 Wilder Kaiser

Der Gesamtsieger Lech Zürs / Warth-Schröcken überzeugt insbesondere durch seine herausragende wirtschaftliche Marktpositionierung und die hohe touristische Attraktivität. Kitzbühel punktet ebenfalls mit einer starken Premiummarke, während das Ötztal durch seine vergleichsweise ausgewogenen Ergebnisse in sämtlichen untersuchten Bereichen auffällt.

Was mich an diesen Ergebnissen besonders interessiert, sind allerdings weniger die Platzierungen selbst als vielmehr die unterschiedlichen Erfolgsmodelle dahinter. Denn eine Destination mit besonders vielen Gästen ist nicht automatisch jene mit der stärksten wirtschaftlichen Positionierung.

Warum Nächtigungszahlen allein zu wenig aussagen

Die 26 untersuchten österreichischen Destinationen verzeichneten im Tourismusjahr 2024/25 insgesamt rund 52,1 Millionen Nächtigungen und damit etwa ein Drittel aller österreichischen Übernachtungen. Allein auf das Ötztal entfallen rund 4,45 Millionen, gefolgt von Schladming-Dachstein mit 3,91 Millionen Nächtigungen.

Doch hohe Nächtigungszahlen sagen zunächst wenig darüber aus, wie effizient die vorhandenen Kapazitäten genutzt werden und welche wirtschaftliche Wertschöpfung daraus entsteht. Deshalb berücksichtigt unser Ranking drei wesentliche Dimensionen: Angebot und Nachfrage (20 %), Preisniveau (40 %) sowie Attraktivität (40 %).

Wie unterschiedlich die Stärken der einzelnen Regionen ausgeprägt sind, zeigt ein Blick auf die Teilrankings. Lech Zürs / Warth-Schröcken führt sowohl beim Preisniveau als auch bei der Attraktivität, liegt bei Angebot und Nachfrage hingegen lediglich auf Rang 24. Kitzbühel belegt in dieser Kategorie Platz 21, erreicht aber bei Preisniveau und Attraktivität die Ränge zwei und drei.

Ganz anders Zell am See-Kaprun: Die Region führt das Teilranking Angebot und Nachfrage an, erreicht beim Preisniveau allerdings nur Rang 15. Und das Ötztal, das passend zum Weltcup-Wochenende auf dem geteilten dritten Gesamtrang landet, überzeugt durch seine ausgewogene Positionierung.

Die zentrale Erkenntnis daraus: Touristischer Erfolg lässt sich nicht ausschließlich anhand der Gäste- und Nächtigungszahlen beurteilen. Entscheidend ist auch, welche Preise eine Region durchsetzen kann, wie gut die vorhandenen Kapazitäten genutzt werden und wie attraktiv das touristische Gesamtangebot ist.

Hohe Preise schaffen Potenzial – aber noch keinen Gewinn

Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Preisniveau. In Lech Zürs / Warth-Schröcken liegt der erhobene durchschnittliche Übernachtungspreis für ein Doppelzimmer mit Halbpension in einem 4-Sterne-Hotel im Winter 2026/27 bei 569 Euro. In Kitzbühel sind es 510 Euro, in Serfaus-Fiss-Ladis 503 Euro. Grundlage sind vergleichbare Preisabfragen für ausgewählte Wintertermine, nicht tatsächlich realisierte Zimmererlöse.

Beim jährlichen Beherbergungsumsatz pro Bett führt ebenfalls Lech Zürs / Warth-Schröcken mit rund 39.500 Euro, gefolgt vom Achensee mit 38.700 Euro und dem Wilden Kaiser mit 35.600 Euro. Auch beim Umsatz je Kreditkartentransaktion erreicht Lech Zürs mit einem Median von 913 Euro den höchsten Wert.

Aus meiner Sicht liegt hier eine der wichtigsten Botschaften des Reports: Ein höheres Preisniveau schafft grundsätzlich bessere Umsatzpotenziale, garantiert aber noch keine höhere Rentabilität. Gerade in der alpinen Ferienhotellerie stehen steigende Personal-, Energie-, Finanzierungs- und Investitionskosten den höheren Erlösmöglichkeiten gegenüber. Entscheidend ist deshalb, wie viel vom erwirtschafteten Umsatz tatsächlich als operativer Ertrag übrig bleibt.

Ein weiteres interessantes Ergebnis betrifft die Bettenauslastung. Diese liegt über alle untersuchten Unterkunftskategorien hinweg im Durchschnitt bei rund 36 Prozent. Der Achensee erreicht mit 48 Prozent den höchsten Wert, gefolgt von Tux-Finkenberg mit 47,7 Prozent und Serfaus-Fiss-Ladis mit 44,7 Prozent. Berechnet wurde die Auslastung auf Basis von 365 Tagen und der erhobenen Winterbettenkapazität, nicht anhand der tatsächlichen betrieblichen Öffnungstage.

Ganzjahrestourismus als wichtiger Erfolgsfaktor

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Analyse liegt auf der saisonalen Verteilung der Nachfrage. Hier zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den österreichischen Bergdestinationen.

Während Obertauern rund 90 Prozent seiner Nächtigungen im Winter erzielt und Paznaun-Ischgl auf 84 Prozent kommt, verfügen andere Regionen über eine deutlich ausgeglichenere Nachfrage. In Zell am See-Kaprun entfallen 49 Prozent der Nächtigungen auf den Winter und 51 Prozent auf den Sommer. Schladming-Dachstein erreicht ein Verhältnis von 51 zu 49 Prozent.

Das bedeutet keineswegs, dass ausgeprägte Winterdestinationen grundsätzlich schlechter wirtschaften. Gerade hochpreisige Skiregionen können innerhalb einer vergleichsweise kurzen Saison beachtliche Umsätze erzielen. Dennoch schafft eine breitere saisonale Nachfrage zusätzliche Möglichkeiten, bestehende Infrastruktur, Personalressourcen und Investitionen wirtschaftlich zu nutzen.

Für die Ferienhotellerie bedeutet das, dass die Entwicklung attraktiver Angebote außerhalb der klassischen Wintersaison immer wichtiger wird. Nicht jede Destination muss zwölf Monate geöffnet sein. Aber jede Region sollte wissen, welche Saisonzeiten wirtschaftlich tragfähig sind und wo zusätzliche Nachfrage entwickelt werden kann.

Attraktivität ist mehr als Schneesicherheit und Pistenkilometer

Auch bei der touristischen Attraktivität liegt Lech Zürs / Warth-Schröcken an der Spitze, gefolgt von St. Anton am Arlberg und Kitzbühel. Dahinter reihen sich Zell am See-Kaprun sowie ex aequo Saalbach Hinterglemm und die Turracher Höhe ein.

Dabei spielen natürlich klassische Standortfaktoren wie Höhenlage, Schneesicherheit, Pistenangebot und die Dauer der Skisaison eine wesentliche Rolle. Doch auch die Qualität des touristischen Gesamterlebnisses ist entscheidend. Deshalb fließen in unseren Report unter anderem KI-gestützte Auswertungen von Gästebewertungen ein, die nicht nur die Bergbahnen, sondern die gesamte touristische Leistungskette eines Skigebiets betrachten.

Gerade vor dem Hintergrund steigender Gästebedürfnisse und der Herausforderungen des Klimawandels wird deutlich, dass sich erfolgreiche Bergdestinationen nicht ausschließlich über ihre Wintersportinfrastruktur definieren können. Entscheidend ist vielmehr, wie überzeugend das Gesamterlebnis gestaltet wird und wie gut es gelingt, die vorhandenen Standortvorteile in eine klare Positionierung zu übersetzen.

Ein Blick über die Grenze: Was die Schweiz anders macht

Neben den österreichischen Bergdestinationen haben wir auch acht Schweizer Tourismusorte näher betrachtet, darunter Zermatt, St. Moritz, Davos, Grindelwald und Saanen/Gstaad.

Besonders auffällig sind die Unterschiede in der Gästestruktur und beim Preisniveau. Während in den betrachteten österreichischen Destinationen Deutschland mit Abstand den wichtigsten Herkunftsmarkt darstellt, spielt in der Schweiz auch der heimische Markt eine wesentlich größere Rolle. Gleichzeitig zeigen international bekannte Premiumdestinationen wie Zermatt und St. Moritz, welche wirtschaftlichen Potenziale durch eine starke Markenpositionierung und die Erschließung kaufkräftiger internationaler Zielgruppen entstehen können.

Der Vergleich macht deutlich, dass Österreichs Bergdestinationen im internationalen Wettbewerb hervorragend positioniert sind, gleichzeitig aber interessante Potenziale bei der Internationalisierung, der Preispositionierung und der ganzjährigen Angebotsentwicklung bestehen.

Mein Fazit: Nicht die Größe entscheidet, sondern die Wettbewerbsfähigkeit

Für mich unterstreicht der neue Alpine Destination Report einmal mehr, dass die Zukunft des alpinen Tourismus nicht allein über zusätzliche Betten, steigende Nächtigungszahlen oder immer neue Infrastrukturprojekte entschieden wird. Vielmehr geht es darum, bestehende Kapazitäten wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen, die eigene Positionierung zu schärfen, die Zahlungsbereitschaft der Gäste zu erhöhen und gleichzeitig die langfristige Attraktivität einer Destination sicherzustellen.

Das gilt für große, international bekannte Wintersportorte ebenso wie für kleinere Ferienregionen. Und es gilt insbesondere für die vielen familiengeführten Hotels, deren wirtschaftlicher Erfolg eng mit der Entwicklung ihrer Destination verbunden ist.

Der Alpine Destination Report ist deshalb für mich weniger ein Wettbewerb um den ersten Platz als vielmehr ein Instrument, um wirtschaftliche Stärken, strukturelle Schwächen und Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen.

Passend zum Weltcup-Auftakt in Sölden lautet die entscheidende Frage also nicht nur, wer heute vorne liegt, sondern vor allem: Welche Destinationen sind gut genug aufgestellt, um auch in zehn Jahren noch erfolgreich zu sein?

Den vollständigen Alpine Destination Report 2027 mit sämtlichen Rankings, Kennzahlen und dem Vergleich der Schweizer Destinationen steht an dieser Stelle ab Dienstag kostenlos zum Download zur Verfügung.

Wenn du dich auch für unsere bisherigen Analysen interessierst, findest du hier den Alpine Destination Report 2026 sowie den Alpine Destination Report 2025.

Alpine Destination Report 2027

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