Stresstest für die Hotellerie

Die betriebswirtschaftliche Basis der Hotellerie ist durcheinander geraten: Energie so teuer wie nie, steigende Zinsen und Personalkosten, die mit der Inflation nach oben gehen. Österreichs Hotellerie, hinsichtlich Eigenkapital ohnehin eher schwach aufgestellt, dürfte weiter an Ertragskraft einbüßen.

 

 

 

Zwei Jahre Corona-Pandemie haben die Tourismuswirtschaft in Österreich also wahrlich auf eine schwere Probe gestellt. Nur dank üppiger staatlicher Unterstützung und Kreditstundungen konnte während der monatelangen Zwangsschließung eine Pleitewelle in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes verhindert werden.

Und nun? Es ziehen erneut schwarze Wolken auf… und wir müssen uns die Frage stellen, was das für die Tourismusbranche – und insbesondere für die Hotellerie – bedeuten kann.

Tourismusbetriebe müssen sich warm anziehen

Um das abschätzen zu können haben wir seitens Prodinger die 4/5-Sterne-Häuser im Bereich der Ferienhotellerie einem Stresstest unterzogen. Untersucht wurden die Belastungen durch höhere Energie- und Rohstoffkosten, der Mitarbeitermangel sowie die steigende Inflation und Zinsen.

Wie die Analyse zeigt, könnten die Teuerung, der stotternde Privatkonsum in den Bereichen Freizeit und Urlaub, der Mitarbeiterengpass und die hohen Energiekosten den Aufschwung des heimischen Tourismus in den kommenden Jahren empfindlich bremsen.

Aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise wird sich die Wareneinsatzquote um zwei Prozentpunkte, von 13 auf 15 Prozent der Gesamterlöse, erhöhen. Anziehen werden auch die Mitarbeiterkosten auf Grund der Verknappung am Mitarbeitermarkt und der zu erwartenden hohen Lohnabschlüsse.

Die Erholungsphase nach der Coronakrise war sehr kurz

Ganz aktuell wirken sich vor allem die hohen Energiekosten gravierend auf die Branche aus. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) wird 2022 im Schnitt noch ein Nullsummenspiel sein, da die höheren Energiekosten erst ab dem Herbst voll greifen. Für 2023 ist allerdings ein „Mehrfachschock“ zu befürchten, da all die Kostensteigerungen und der Zinsanstieg die Stressresistenz der Betriebe maximal herausfordern werden. In einem Betrachtungszeitraum bis Ende 2023 sehen wir in unseren Prognosen eine Erhöhung der Energiekosten für Strom, Heizung und Warmwasser um insgesamt rund 360 Prozent (In diesem Wert ist bereits ein Einsparungspotential von zwölf Prozent des Verbrauchs einkalkuliert).

Die Dienstleistung im Tourismus verteuerte sich bereits in den letzten Jahren. Ein weiterer Kostenausgleich zulasten der Branche scheint nicht mehr möglich. Die europaweit hohe Inflation wird zu einem Rückgang der Kaufkraft der Gäste beitragen. Die Folgen dieser brisanten Lage: die Betriebe werden 2023 einen Verlust von elf Prozent bei ihrem EGT hinnehmen müssen (Das Ergebnis berücksichtig noch keine Steuern und Rücklagen).

Fazit des Stresstests

Die Kostensteigerungen, mit denen die Hotellerie konfrontiert ist, sind immens. Und die Kosten kann man unmöglich eins zu eins an die Gäste weitergeben. Diese bleiben also zwangsläufig irgendwann aus, weil sie ja auch nicht mehr Geld zur Verfügung haben. Besonders Hotels mit großen Wellnessbereichen leiden zusätzlich unter den Kostenexplosionen; 4 bis 5-fache Energiekosten sind da keine Seltenheit (das kann schon mal eine Erhöhung von bspw. 750.000 Euro auf über 3.000.000 Euro bedeuten.

Der Sommer ist zwar gut gelaufen (nicht zu vergessen im ganzen Jahr bisher immer noch minus 12 % auf 2019), aber die Buchungen für den Winter werden schon merklich zurückhaltender getätigt. Die allgemeine Stimmung dürfte derzeit also auch auf die Reiselust abfärben.

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