Reisetrends 2022

Unbestritten ist, das sich in den letzten einenhalb Jahren viele Bereiche unsere Lebens verändert haben. Dies hatte im Besonderen auch Auswirkungen auf unser Reiseverhalten. Aber wie sieht die Zukunft des Reisens aus? Fallen wir wieder zurück in alte Muster oder gibt es nachhaltige Veränderungen? Ende Oktober veröffentlichte Booking.com eine neue Studie zu den Reisetrends 2022. Dabei wurden mehr als 24.000 Reisende in 31 Ländern und Regionen befragt, um vorherzusagen, ob (und wenn ja wie) sich das Reisen im Jahr 2022 neu gestalten wird.

 

 

 

Demnach ist den Reisenden Flexibilität besonders wichtig, eine Mehrheit der Reisenden legt daneben Wert auf eine klare Trennung von Urlaub und Arbeit und die meisten planen ihren Urlaub mit geliebten Menschen. Die wichtigsten Erkenntnisse für die Reisebranche wurden dabei frei zugänglich gemacht. Die Reisetrends können dabei auch für einzelne Länder gesondert ausgewertet werden. Im aktuellen Artikel beschäftigen wir uns mit den Gesamtergebnissen der Studie.

Nachholeffekte prägen die Reisetrends 2022

Nachdem Urlaubs- und Erholungssuchende rund um den Globus bereits seit Frühjahr 2021 großteils auf soziale Kontakte, Reisen und Spaß verzichtet haben, werden sie im Jahr 2022 eine neue, positivere Denkweise an den Tag legen, denn die Anzahl derer, die meinen, die verlorene Urlaubszeit nachholen zu müssen, ist von 42% auf 63% gestiegen.

Da die meisten Urlaubs- und Reisepläne wegen der Pandemie auf Eis gelegt wurden, wird 2022 das Jahr des einfachen Ja-Sagens: 72% der Befragten würden zu jedem Urlaub „Ja“ sagen, solange es ihr Budget erlaubt. Und 61% der Reisenden sind jetzt offener für verschiedene Urlaubsarten.

Spannend ist auch das Thema Anreise: Die Weg zum Ziel, also die Anreise zum Urlaubsort, ist für viele von uns ein Teil der Reise, den wir als notwendiges Übel betrachten, statt etwas, das man auch richtig genießen kann. Da in den letzten eineinhalb Jahren aber nur sehr wenig gereist wurde, könnte die Anreise etwas sein, auf das sich im Jahr 2022 mehr von uns freuen.

Flexibilität

Menschen haben erfahren, dass Planungen zunichte gemacht werden. Alles, was jetzt mittel- bis langfristig geplant wird, ist von einer Ungewissheit über die Realisierung geprägt. Daher hat Flexibilität bei der Reiseplanung für das Jahr 2022 und danach wenig überraschend an Priorität gewonnen. Der Gesamtpreis (weltweit 48 Prozent, Deutschland 50 Prozent) und das Reiseziel (weltweit 40 Prozent, Deutschland 43 Prozent) sind zwar nach wie vor die wichtigsten Faktoren für Reisende weltweit. Sie sind aber dicht gefolgt von der Flexibilität, stornieren zu können (weltweit 29 Prozent, Deutschland 39 Prozent).

In den Reisetrends spiegeln sich die wichtigsten Prioritäten wieder, die für das Jahr 2022 und darüber hinaus wie folgt angegeben werden:

  • die Gewissheit, kein Geld zu verlieren (weltweit 42 Prozent, Deutschland 40 Prozent)
  • die Möglichkeit, zu stornieren (weltweit 33 Prozent, Deutschland 39 Prozent)
  • die Möglichkeit, kostenlos umzubuchen (weltweit 32 Prozent, Deutschland 32 Prozent)

Nachdem das Reisen in der Pandemie so unberechenbar war, werden sich Urlauber eher auf das Unerwartete einlassen und sich dabei vor allem auch auf Technologie stützen. Immerhin 63% der Reisenden glauben, dass Technologie bei der Kontrolle von Gesundheitsrisiken auf Reisen wichtig ist. Ebensoviele stimmen zu, dass Technologie hilft, die Reiseangst zu mindern, bspw. durch Vorhersagen in welche Länder man sicher reisen kann.

Workation oder Trennung von Arbeit und Urlaub?

Ein spannender Output der Studie zu den Reisetrends ist, dass scheinbar gerade zwei Trendfelder rund um Arbeit und Urlaub parallel entstehen. Einerseits der Trend zur Workation, der das Phänomen bezeichnet, dass bspw. der Urlaub an einem anderen Ort um ein oder zwei Wochen verlängert, um von dort aus auch zu arbeiten. Die Trennung von Urlaub und Arbeit verschwimmt dabei zusehends. Andere hingegen möchten ihre Abwesenheitsnotiz erst wieder deaktivieren, wenn sie zurück sind vom Urlaub, in der strengsten Ausprägung geht es dabei auch um „Digital Detox“.

Laut Booking wollen knapp 75 % der Reisenden ihren Urlaub ganz klar arbeitsfrei gestalten. Durch ortsungebundenes Arbeiten sind die Arbeitsplätze zwar flexibel geworden, dennoch würden 59 Prozent der Menschen weltweit lieber einen kürzeren Urlaub haben, wenn sie dafür komplett abschalten könnten.

Reisetrends zeigen Sehnsucht nach Gemeinsamkeit

Reiseerlebnisse wollen laut der Booking-Studie am liebsten geteilt werden. Die nächsten Reisen sollen zusammen mit dem Partner (weltweit 89 Prozent, Deutschland 86 Prozent), der Familie (weltweit 86 Prozent, Deutschland 80 Prozent) oder engen Freunden (weltweit 76 Prozent, Deutschland 68 Prozent) verbracht werden. Da zwei Drittel der Reisenden während des Urlaubs auch neue Leute kennenlernen wollen, wird der Urlaub die Gelegenheit dazu sein, gewohnte soziale Kreise zu erweitern. Authentische Beziehungen zwischen Reisenden und der lokalen Gemeinschaft gewinnen somit klar an Bedeutung

Urlaub in Ferienwohnungen steht bei den Reisetrends hoch im Kurs

Egal, für welche Begleitung sich Reisende entscheiden: Die Branche kann laut Studie für das Jahr 2022 davon ausgehen, dass sich Reisende aller Art für Privatsphäre, Platz und die Vorteile einer ganzen Unterkunft für sich selbst entscheiden werden.

Laut der Analyse werden Urlauber 2022 mehrheitlich Ferienhäuser und -wohnungen anderen Unterkünften vorziehen. Diesen Trend sieht die Umfrage auch bei Familien mit Kindern. Deutsche Reisende, die mit der Großfamilie verreisen, entscheiden sich genauso wahrscheinlich für eine Ferienwohnung (61 Prozent) wie für ein familienfreundliches Hotel (60 Prozent).

Soziale Nachhaltigkeit und lokale Gemeinschaft im Vordergrund

58% der Reisenden sind der Meinung, dass ihr Urlaub der lokalen Gemeinschaft vor Ort zugutekommen sollte. Während der Pandemie waren wir gezwungen, mit dem auszukommen, was wir vor der Haustür hatten. Die Menschen haben sich stärker in ihrer Gemeinschaft engagiert, indem sie lokale Unternehmen unterstützen. Nun wollen wir die gleiche Art von authentischen Beziehungen auch im Urlaub haben. 58% der Befragten möchten, dass ihre Reise der lokalen Gemeinschaft an ihrem Reiseziel zugutekommt. Und 29% möchten mehr darüber recherchieren, wie sich ihre Reiseausgaben auf lokale Gemeinschaften auswirken – oder diese verbessern.

Kennzeichnung für nachhaltiges Reisen eingeführt

Schön zu sehen ist auch, wie die Entwicklungen und Bedürfnisse der Reisenden auch bei den OTAs Einzug halten. Booking.com selbst bewertet Unterkünfte nun auch in den fünf Kategorien Abfall, Energie und Treibhausgase, Wasser, Unterstützung lokaler Gemeinschaften und Naturschutz. Diese Hauptbereiche werden (derzeit) in 32 konkrete Maßnahmen unterteilt, die die Unterkünfte umsetzen können.

Mit der Kennzeichnung will Booking das Angebot einer größeren Vielfalt an nachhaltigen Aufenthalten ermöglichen. Die Initiative wurde so konzipiert, dass sie für eine breite Palette von Unterkünften anwendbar ist und an die örtlichen Gegebenheiten und Anforderungen angepasst werden kann. Die Kennzeichnung zielt darauf ab, die Erfolge von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in mehr Unterkünften weltweit zu würdigen. Außerdem sollen Reisende dadurch auf klare, konsistente und einfache Weise nachhaltigere Aufenthalte erkennen können.

Für jede der 32 Maßnahmen hat Booking mit einem Nachhaltigkeitsberatungsunternehmen zusammengearbeitet, um eine Methodik zu entwickeln, die die relative Gewichtung dieser Maßnahmen bewertet. Da diese Gewichtung laut der Reiseplattform ausschließlich von den sozialen und/oder ökologischen Auswirkungen der Maßnahmen abhängt, dient das Modell dazu, Unterkünfte zu identifizieren, die sinnvolle Nachhaltigkeitsinitiativen ergreifen.

Laut Booking werden in der ersten Phase der Einführung die Kennzeichnung für nachhaltiges Reisen und ein Überblick über die Nachhaltigkeitsbemühungen zunächst  nur auf der Booking-Website der jeweiligen Unterkunft sichtbar sein. Danach soll die Kennzeichnung für nachhaltiges Reisen auch auf den Unterkunftseinträgen auf der Suchergebnisseite erscheinen, zusammen mit einem Filter für nachhaltiges Reisen, damit Reisende schon zu Beginn ihrer Suche nachhaltigere Angebote einfacher finden können.

Über die Studie zu den Reisetrends 2022

Die von Booking.com in Auftrag gegebene Umfrage „Reisetrends 2022“ wurde unter einer Stichprobe von Erwachsenen durchgeführt, die in den nächsten zwölf bis 24 Monaten eine Geschäfts- oder Urlaubsreise planen. Insgesamt wurden 24.055 Personen aus 31 Ländern und Regionen befragt (darunter 501 aus Argentinien, 1.003 aus Australien, 500 aus Belgien, 1.001 aus Brasilien, 500 aus Kanada, 1.000 aus China, 1.007 aus Kolumbien, 1.001 aus Kroatien, 508 aus Dänemark, 1.002 aus Frankreich, 1.000 aus Deutschland, 1.005 aus Hongkong, 1.000 aus Indien, 502 aus Israel, 1.003 aus Italien, 1.002 aus Japan, 500 aus Mexiko, 501 aus den Niederlanden, 501 aus Neuseeland, 500 aus Peru, 1.000 aus Russland, 1.005 aus Singapur, 1.002 aus Südkorea, 1.002 aus Spanien, 501 aus Schweden, 501 aus der Schweiz, 504 aus Taiwan, 500 aus Thailand, 1.000 aus dem Vereinigten Königreich, 1.002 aus den USA und 501 aus Vietnam). Die Teilnehmer haben im August 2021 eine Online-Umfrage ausgefüllt.

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