Post-Corona-Gesellschaft

Die Coronakrise wirkt sich langfristig auf den Tourismus aus. Die Menschen haben im Augenblick sehr viel Orientierungsbedarf, was für die Hotellerie durchaus auch eine Chance darstellt. Wenn Antworten auf ungestellte Fragen geliefert werden, dann ist man am Markt bereits klar im Vorteil.

Physische Abgrenzung und Social Distance

Die Isolation, beginnend im März 2020, führte zu einer physischen Abgrenzung (Social Distance) und zeitgleich zu einer Welle des Wir-Gefühls. Die Politik machte den Tourismus und das Reisen für die Verbreitung verantwortlich. Es stellt sich daher unweigerlich die Frage, was das Jahr 2020 nachhaltig mit den Menschen gemacht hat und was dies für den Tourismus bedeutet?

Für die Unternehmer stand jedenfalls schlagartig nicht mehr die Arbeit am Gast im Vordergrund, sondern der Kampf durch den Förderdschungel!

Wie verändert sich das Reiseverhalten?

Die gute Nachricht: Die Urlaubslust bleibt ungebrochen hoch und sobald Menschen reisen dürfen, tun sie das auch. Allerdings sind Änderungen im Reiseverhalten zu bemerken, die auf die im Zuge der Coronakrise aufgekommenen Unsicherheiten zurückzuführen sind.

Vor allem wird kurzfristiger gebucht und die Gäste erwarten sich mehr denn je Flexibilität und Dynamik, wenn es um Verschiebungen, Umbuchungen oder Storni geht. Ebenfalls gestiegen sind die Ansprüche an Hygiene und Sicherheit. Aufgrund des Bedürfnisses nach Platz sind seit dem Sommer 2020 Chalets, Apartments, Ferienhäuser noch stärken im Aufwind.

Problem lösen und wie Auf Werteveränderung reagieren

Das kollektive Trauma, das unter anderem soziale Verzichte, eine materielle Detox-Phase und eine verstärkte Solidarität zu den Mitmenschen mit sich bringt, wird nachhaltig einen noch nie da gewesenen Paradigmenwechsel einleiten.

Unter anderem werden folgende Faktoren die Gesellschaft nachhaltig beschäftigen:

  • Verstärkte Solidarität
  • Die Natur wird noch verstärkter punkten. Umweltverantwortung und ehrliche Nachhaltigkeit stehen im Fokus.
  • Gesellschafts- und Kulturkritik
  • Wiederentdeckung des einfachen und reduzierten Urlaubes
  • Gerechtigkeit, neues Wir-Gefühl
  • Gleichberechtigung
  • Reflexion von Nachrichten
  • Entschleunigung – in der Ruhe liegt die Kraft
  • Authentizität
  • Sehnsucht nach regionalen Produkten wird weiter anteigen
  • Miteinander – Gemeinsames Tun – Urlaub mit 3. Generationen (Eltern, Großeltern, Enkel)
  • Das Büro Daheim und im Urlaub – Veränderter Zugang zur Wohn- und Arbeitswelt
  • Luxus wird anders definiert, Themen wie Nachhaltigkeit, Design und Digitalisierung rücken in den Vordergrund.

Eine weitere Lehre aus der Corona-Krise: Künftig werden Mitarbeiter nicht für jedes Meeting ins Flugzeug steigen, sondern sich öfter über Video besprechen.

Zielgruppen

Die Frage ist, wie stark einzelne Zielgruppen die jeweiligen Themen beschäftigen. Auch wenn wir mit den Auswirkungen von Corona noch in Monaten konfrontiert werden, wird sich das Grundgerüst an Werten, Lebenseinstellungen, etc. der Menschen nicht verändern, sondern bereits vorhandene Ausprägungen eher verstärken.

Personengruppen, die bisher auf Nachhaltigkeit, Reduktion & Authentizität gesetzt haben, werden das jetzt in Folge verstärkt tun. Sie werden beim Angebot auf echten Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit in Bezug auf die Mitarbeiter sowie auf authentische Erlebnisse setzen.

Zielgruppen, deren Werte sich rund um Individualismus, Freiheit und Multi-Optionalität aufgebaut haben, werden im Urlaub verstärkt auf Erlebnisse (teils auch über Ländergrenzen hinaus) setzen und dabei in intensivem Kontakt zu besonders vielen Menschen unterschiedlichster Kulturgruppen stehen, um die Zeit der Isolation „wett“ zu machen.

Andere wiederum, die auch bisher einem traditionellen Wertegerüst gefolgt sind, werden durch die Isolation und die damit einhergehenden (Existenz-) Ängste vermehrt die Zeit mit der Familie suchen und vor allem ein regionales und lokales Angebot präferieren.

Gästeansprache

Gäste müssen in Zukunft noch gezielter im Marketing angesprochen werden. Eine Diskussion über Globalisierung sowie ein neuer Zusammenhalt, Verantwortung, Gemeinschaft und Familie werden die touristischen Werbeaussagen prägen. Weiters ist davon auszugehen, dass die Krise ein weiterer Turbo für Nachhaltigkeit und Klimaschutz sein wird. Wir müssen in unseren Botschaften die humane Komponente verstärken.

Marketing und Vertrieb müssen sich auf die sich verändernden Bedingungen reagieren. Als Stichwort seien hier Businessreisen (Stichwort Meetings) genannt. Künftig werden Mitarbeiter nicht für jedes Meeting ins Flugzeug steigen, sondern sich öfter über Video besprechen.

Ein weiterer Trend liegt in der zunehmenden Verschmelzung von Arbeit und Freizeit. Das Büro Daheim und im Urlaub bedeutet einen veränderter Zugang zur Wohn- und Arbeitswelt. Hier können attraktive Angebote geschaffen werden, die das Home-Office mit einem Aufenthalt in der Natur verbinden lassen.

Organisation im Betrieb

Für die Hotellerie stellt sich ebenfalls die Frage, wie ein Betrieb nach dem Lockdown aus epidemiologischer Sicht zu organisieren ist. Insbesondere muss die Customer Journey im Betrieb überdacht werden:

  • Wo und wie können Kontakte reduziert und jedenfalls das Zusammenströmen größerer Menschenmengen verhindert werden?
  • Welche Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter/-innen und Gäste oder zusätzliche hygienische Maßnahmen können ergriffen werden?
    • Abstandsmarkierungen, Luftfilter, Heizpilze, Desinfektionsspender, Gestaffelte Essenszeiten etc.
  • Welche Materialien müssen beschafft, Leistungen zugekauft oder innerbetriebliche Schulungen durchgeführt werden?

Fazit

Sicher ist: Es wird wieder gereist und wir müssen mit aller Kraft am touristischen Image und unserem Angebot arbeiten, um die alten und neuen Reisebedürfnisse auch zukünftig zu erfüllen. Tourismus kann hier eine verbindende Rolle einnehmen – als eine neue Begegnungszone.

Wir dürfen aber nicht abwarten, bis die Krise irgendwann vorbei ist und die Gäste mit der gleichen Reiselust wie davor wiederkommen. Wir müssen jetzt handeln und uns Gedanken über das künftige Angebot machen.

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