Longevity in der Hotellerie – eine neue Denkweise?

In der aktuellen Podcastfolge spreche ich mit Uta Gruenberger über Longevity als neuen Trend in der Hotellerie. Das Thema unterscheidet sich grundlegend von klassischen Wellness-Angeboten: Während Wellness auf kurzfristige Erholung ausgerichtet ist, möchte Longevity planbare, langfristige Gesundheitsprogramme schaffen. Grünberger betont, dass es um individualisierte, protokollierte Programme geht, die Gäste in ihren Alltag integrieren können. Der Begriff umfasst die Ausweitung der gesunden Lebensjahre, nicht nur das Altwerden an sich.

Der Trend hat während der Pandemie Fahrt aufgenommen, als Menschen Zeit hatten, sich mit dem eigenen Körper und Wohlbefinden auseinanderzusetzen. Für Hotels bedeutet Longevity mehr als nur Geräte und Technologie anzuschaffen. Es muss eine Geisteshaltung im ganzen Betrieb werden, die von Mitarbeitern getragen und authentisch kommuniziert wird. Uta warnt vor oberflächlichen Marketing-Ansätzen und betont, dass nur ehrlich gemeinte Programme erfolgreich sein können. Am 6. Mai 2026 findet das Symposium ‚Hospitality meets Longevity‚ in Kitzbühel statt, um Hoteliers konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu zeigen.

Kernaussagen über Longevity im Tourismus

  • Longevity unterscheidet sich fundamental von Wellness durch langfristige, planbare Gesundheitsprogramme
  • Erfolg erfordert authentische Umsetzung im ganzen Betrieb, nicht nur Marketing-Label
  • Mitarbeiter müssen Longevity-Konzepte verstehen und leben können
  • Individualisierung und Eigenverantwortung stehen im Mittelpunkt
  • Generation Z treibt den Trend durch bewussteren Umgang mit Gesundheit
  • Betriebswirtschaftliche Rentabilität muss bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden

Longevity ist kein Konzept, das man einfach „einführt“. Es ist eine Perspektive, die sich durch alle Bereiche eines Betriebs ziehen kann. Das beginnt bei der ehrlichen Analyse: Welche Gäste habe ich? Welche Bedürfnisse bringen sie mit? Und was kann ich ihnen glaubwürdig anbieten? Für manche Betriebe bedeutet das gezielte Investitionen in Infrastruktur und Diagnostik. Für andere reicht es, bestehende Stärken bewusster zu nutzen – etwa Natur, Ruhe, Bewegung oder Ernährung.

Entscheidend ist, dass Gäste etwas mitnehmen können. Eine Erfahrung, eine Erkenntnis oder eine neue Routine, die über den Aufenthalt hinaus wirkt.

Transkript der Podcast-Folge rund um das Thema Longevity

Marco: Uta, vielleicht starten wir mit einer persönlichen Frage in die Podcast-Folge: Was bedeutet Longevity für dich persönlich?

Uta: Ich gehöre natürlich auch zu den Menschen mit einer sogenannten Morgenroutine – irgendwo zwischen Yoga und Trampolin, zwischen Tai-Chi-Flow und Yoga im Bett. Ich nehme meine Supplements, ich bewege mich und springe am frühen Morgen auch unter die eiskalte Dusche. Das mache ich alles, sagen wir, recht konsequent.
Meine größte Longevity-Erkenntnis in den letzten Monaten ist allerdings eine andere: zu merken, was Stress eigentlich bedeutet. Nur weil ich etwas gewohnt bin – Multitasking, ständiges Tun, Aktivität – heißt das noch lange nicht, dass es meinem Körper guttut.

Marco: Mhm.

Uta: Das sind letztlich die Themen, die man wahrscheinlich zuerst angehen muss, wenn man wirklich auf einen nachhaltigen Weg in Richtung Langlebigkeit kommen möchte. Es geht darum, die Gesundheitsspanne zu erhöhen, also nicht nur die Lebensspanne, sondern auch die Zeit, in der wir gesund und leistungsfähig sind – und gleichzeitig auch die „Spaßspanne“.
Für mich ist aktuell die größte Herausforderung, unbewussten Stress bewusst wahrzunehmen. Also ihn überhaupt zu erkennen, um ihn dann regulieren zu können. Das ist gerade mein zentraler Zugang zum Thema Longevity.

Marco: Du hast jetzt schon ein paar Dinge angesprochen, an die wahrscheinlich viele denken, wenn sie das Thema Longevity hören oder in sozialen Medien sehen: kalte Duschen, Supplements, gesunder Schlaf, Stressreduktion.
Steht das nicht ein Stück weit im Widerspruch zu dem, was du auch gesagt hast – nämlich den Spaß zu erhöhen? Wenn ich mich an all diese Regeln halte, bleibt da nicht der Spaß auf der Strecke?

Uta: Genau das ist der Punkt. Und ich glaube, da gehören wir alle ein bisschen dazu. In vielen Biohacking-Podcasts hört man mittlerweile auch diesen Unterton – oder es wird sogar ganz klar formuliert, etwa von Max Gotzler: Vergesst nicht, es geht am Ende auch um den Spaß.
Was bringt uns ein komplett durchgetaktetes, protokolliertes Leben – wie es beispielsweise Brian Johnson in seiner Netflix-Doku „Don’t Die“ zeigt – wenn wir am Ende vor lauter Disziplin unser Leben gar nicht mehr wahrnehmen?

Marco: Mhm.

Uta: Wenn wir nur noch funktionieren, unseren Tag nicht mehr bewusst erleben und das Gefühl haben, das Leben rauscht an uns vorbei, dann läuft etwas schief.
Und genau da müssen wir ansetzen. Man darf sich auch einmal zurücklehnen und reflektieren, was man sich da alles auferlegt hat an Routinen und Programmen.

Marco: Absolut, da bin ich ganz bei dir. Ich tendiere ja auch dazu, vieles auszuprobieren und zu schauen, was mir persönlich guttut. Ich glaube, das ist die entscheidende Erkenntnis: herauszufinden, was für einen selbst funktioniert – und nicht alles blind nachzumachen, nur weil es jemand anderer vormacht.

Uta: Mhm.

Marco: Jetzt würde ich gerne vom persönlichen Zugang ein bisschen zur Branche wechseln. Das Thema Longevity begleitet uns ja schon länger. Wir haben im letzten Jahr – vor allem du – viel recherchiert und Interviews geführt für den Trendreport.
Gab es für dich einen Moment oder eine Erkenntnis, wo du gemerkt hast: Das Thema ist nicht nur relevant, sondern wird auch in der Hotellerie immer wichtiger? Gesundheit und Medical sind ja grundsätzlich keine neuen Themen.

Uta: Interessanterweise hatte ich diesen Gedanken schon während der Pandemie. Damals hatten viele Menschen plötzlich Zeit, sich intensiver mit sich selbst zu beschäftigen. Sie haben Podcasts gehört – vor allem aus den USA, wo das Thema schon viel länger präsent ist – und sich mit ihrem Körper und ihrem Wohlbefinden auseinandergesetzt.

Marco: Mhm.

Uta: Ich glaube, das waren die Anfänge, in denen das Thema Longevity wirklich zu uns herübergeschwappt ist. Und was mich bei der Recherche besonders überrascht hat: In den USA ist Longevity als Markt schon seit über 20 Jahren ein riesiges Thema.
Da wurde mir klar: Das wird nicht nur gesellschaftlich relevanter, sondern bietet auch für die Hotellerie eine enorme Chance. Hotels können einen Raum schaffen, den es im Alltag oft nicht gibt – einen geschützten Rahmen, in dem sich Menschen mit diesen Themen beschäftigen können.

Marco: Mhm.

Uta: Es geht um diesen Ausnahmezustand, in dem ich mich Dingen widmen kann, für die ich im Alltag keine Zeit habe. Und gleichzeitig passt das Thema auch sehr gut zur Nachhaltigkeit.
Was bringt uns gutes Essen, wenn wir es nicht bewusst genießen? Was bringt uns Regeneration, wenn wir uns nie wirklich Zeit dafür nehmen? Die Natur spielt hier eine zentrale Rolle – und genau das können Hotels bieten.

Marco: Mhm.

Uta: Für mich war die Pandemie der Moment, in dem ich erkannt habe: Das wird ein größeres Thema.

Marco: Jetzt haben wir schon mehrmals den Begriff Longevity beziehungsweise Langlebigkeit verwendet. Dabei geht es ja nicht einfach nur darum, möglichst alt zu werden. Vielleicht sollten wir das noch einmal greifbar machen – gerade für jene, die noch nicht so tief im Thema sind.
Es geht ja vor allem um die Ausweitung der gesunden Lebensjahre, also der Zeit, in der man fit und leistungsfähig ist. Es geht nicht darum, um jeden Preis alt zu werden, richtig?

Uta: Genau, es geht um die viel zitierte „Healthspan“, also die Gesundheitsspanne. Ein langes Leben – aber möglichst lange fit, gesund und mit Freude am Leben.
Und wenn wir auf die Hotellerie schauen, dann bedeutet Longevity eben nicht nur kurzfristige Regeneration oder klassisches Wohlfühlen, wie wir es aus der Wellness kennen. Es geht vielmehr um ein langfristig angelegtes, individualisiertes Management der eigenen Gesundheit.

Marco: Mhm.

Uta: Es geht um Programme, die individuell abgestimmt sind und langfristig wirken – im Sinne von Prävention, Diagnostik und bewusst gestalteten Routinen. Also Dinge, die ich auch in meinen Alltag integrieren kann und die tatsächlich meine Gesundheitsspanne erhöhen.

Marco: Ja, gerade in der österreichischen Hotellerie gibt es ja viele Betriebe, die schon seit Jahren Aktivprogramme, gesunde Ernährung und Erholung anbieten.
Machen diese Betriebe nicht ohnehin schon vieles, was in Richtung Longevity geht? Wo liegt dann der Unterschied?

Uta: Der Unterschied liegt im Zugang. Beim klassischen Wellness geht es in erster Linie um kurzfristiges Wohlbefinden – also darum, sich von etwas zu erholen, was bereits passiert ist.
Longevity hingegen blickt nach vorne. Es geht darum, Gesundheit planbar zu machen – nicht nur angenehm.

Marco: Mhm.

Uta: Es geht darum, dass jeder ein individuelles Programm erhält, das im Alltag umsetzbar ist. Also nicht nur eine kurze Auszeit, nach der alles wieder so weitergeht wie vorher, sondern eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben.
Man schaut sich an: Wo sind meine Hebel? Was kann ich konkret verändern, um langfristig eine bessere Lebensqualität zu erreichen?

Marco: Mhm.

Uta: Spannend ist auch, dass Wellness ursprünglich genau diesen Anspruch hatte. In seiner ursprünglichen Definition ging es um Selbstverantwortung – darum, aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Mit der Zeit hat sich das aber stark in Richtung „Wohlfühlangebot“ entwickelt. Longevity bringt diesen ursprünglichen Gedanken wieder zurück – ergänzt um moderne Erkenntnisse und Methoden.

Marco: Mhm.

Uta: Und natürlich bleibt Wellness ein wichtiger Bestandteil. Aber es ist dann gezielter eingesetzt, bewusster und stärker in ein Gesamtkonzept integriert.

Marco: Das heißt, der größte Unterschied liegt nicht nur im Angebot selbst, sondern auch in der Haltung dahinter.
Und vielleicht auch darin, dass sich viele Menschen wieder bewusster mit sich selbst beschäftigen – was ihnen guttut und was nicht. Das ist wahrscheinlich ein wesentlicher Treiber für diesen Paradigmenwechsel.

Uta: Absolut. Und ich spreche da ja auch aus der Perspektive einer sogenannten Best Agerin.

Marco: Sieht man dir aber nicht an.

Uta: Danke dir. Aber ich glaube, wir leben gerade in einer Zeit, in der viele Menschen grundsätzlich darüber nachdenken, wie sie ihr Leben gestalten wollen.
Gerade auch durch gesellschaftliche Entwicklungen – Krisen, Unsicherheiten – wird vielen bewusst: Ich habe dieses eine Leben. Was mache ich daraus?

Marco: Mhm.

Uta: Und sobald gesundheitlich etwas nicht passt, rückt das Thema sofort in den Fokus. Das erleben wir alle.
Ich glaube, genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich das Thema Longevity aktuell.

Marco: Jetzt haben wir schon ein paar Mal den Trendreport angesprochen, den wir im letzten Jahr erstellt haben. Du hast dazu viele Interviews geführt und intensiv recherchiert.
Was waren für dich die überraschendsten Erkenntnisse? Und wenn du es herunterbrechen müsstest: Was sind die wichtigsten Aussagen aus dem Report?

Uta: Es war tatsächlich eine enorme Bandbreite an Themen. Ich habe versucht, das im Resümee zusammenzufassen – auch wenn es ein sehr umfangreicher Text geworden ist.
Was mich besonders fasziniert hat, war die Vielfalt der Perspektiven: von Biohacking über medizinische Ansätze bis hin zu historischen Wurzeln.

Marco: Mhm.

Uta: Wir haben in Europa – insbesondere im deutschsprachigen Raum – mit Persönlichkeiten wie Paracelsus oder Kneipp eigentlich schon sehr früh Pioniere gehabt, die sich mit Gesundheit und Prävention beschäftigt haben.
Im Grunde waren das die Biohacker ihrer Zeit – nur ohne das moderne Label.

Marco: Mhm.

Uta: Eine zentrale Erkenntnis war für mich aber: Egal, wie technisch oder wissenschaftlich das Thema wird – am Ende geht es immer wieder um den gleichen Punkt.
Sowohl Andreas Breitfeld als auch Dr. Sepp Fegerl haben ihre Interviews mit einem ähnlichen Gedanken abgeschlossen: Vergesst nicht den Spaß.

Marco: Absolut.

Uta: Oder wie es formuliert wurde: „Vergesst das Tanzen nicht.“
Auch Elisabeth Gürtler ist ein gutes Beispiel. Sie nutzt viele moderne Methoden, geht in die Kältekammer, arbeitet mit EMS – aber beim Thema Ernährung sagt sie bewusst: Das bleibt, wie es ist.

Marco: Mhm.

Uta: Das zeigt, wie individuell das Thema ist. Jeder findet seinen eigenen Zugang. Und genau darin liegt die große Chance für die Hotellerie: eine breite Palette an Möglichkeiten anzubieten – ehrlich, fundiert und individuell.

Marco: Absolut, darauf gehen wir gleich noch näher ein.
Ich möchte aber noch einen Punkt aufgreifen: Bei all den Maßnahmen – Ernährung, Bewegung, Routinen – spielt mentale Gesundheit eine zentrale Rolle.
Würdest du sagen, dass all diese Dinge nur dann wirklich wirken, wenn es mir auch mental gut geht?

Uta: Ja, wahrscheinlich schon. Denn um überhaupt wahrzunehmen, was mir guttut, brauche ich Bewusstsein.
Ich muss lernen, auf meinen Körper zu hören – und das funktioniert nur, wenn ich auch mental präsent bin.

Marco: Mhm.

Uta: Ohne dieses Bewusstsein laufe ich einfach weiter im gleichen Muster. Dann setze ich mir vielleicht neue Routinen, aber ohne wirklich zu verstehen, warum.
Und genau deshalb ist Longevity für mich auch ein gesellschaftlicher Trend, der über das Individuelle hinausgeht. Es geht um eine Entwicklung des Bewusstseins – und zwar über alle Altersgruppen hinweg.

Marco: Da sprichst du etwas ganz Wichtiges an – die Bewusstseinsentwicklung. Das bedeutet ja auch, dass ich mich aktiv für oder gegen bestimmte Dinge entscheide.
Und so gesehen ist Longevity nicht gleich Longevity. Es gibt viele unterschiedliche Zugänge. Du hast Elisabeth Gürtler erwähnt, die bewusst bestimmte Dinge macht und andere bewusst nicht.
Das heißt, sowohl im Angebot als auch aus Gästesicht gibt es eine große Bandbreite. Jeder entscheidet selbst, was er annimmt und was ihm guttut.
Ist das nicht auch ein Bereich, in dem es aktuell viele Missverständnisse gibt? Dass man glaubt, es gäbe nur den einen „richtigen“ Longevity-Weg?

Uta: Ja und nein. Die unterschiedlichen Zugänge ergeben sich vor allem aus der Individualisierung.
Ein zentraler Punkt von Longevity ist ja genau dieser individuelle Ansatz – basierend auf Diagnostik und persönlicher Analyse. Daraus ergibt sich ein Programm, das auf den einzelnen Menschen zugeschnitten ist.

Marco: Mhm.

Uta: Und damit kommt auch ein weiterer wesentlicher Aspekt ins Spiel: die Eigenverantwortung.
Das ist etwas, das ich auch durch Gespräche mit Experten wie Andreas Breitfeld sehr stark wahrgenommen habe. Longevity und Biohacking bringen eine klare Verantwortung für das eigene Handeln mit sich.

Marco: Mhm.

Uta: Das unterscheidet sich teilweise von klassischen Medical-Angeboten. Dort werde ich oft durch ein Programm geführt – mit Diagnostik, Auswertungen und Anwendungen.
Das kann sehr wertvoll sein, aber Longevity geht noch einen Schritt weiter: Es geht darum, dass ich selbst verstehe, was mir guttut, und es langfristig in meinen Alltag integriere.

Marco: Mhm.

Uta: Und genau deshalb ist die Bandbreite so groß. Für den einen ist eine Keto-Diät sinnvoll, für den anderen eine Mayr-Kur, für den nächsten vielleicht eine pflanzenbasierte Ernährung.
Es gibt nicht die eine Lösung – sondern viele Wege.

Marco: Ja, und genau das passt auch zu dem, was wir schon länger beobachten: Die Menschen verändern sich, sie hinterfragen mehr und wollen Dinge erleben, die sie in ihren Alltag integrieren können.
Das ist kein völlig neues Thema – aber das Bewusstsein dafür wird stärker.
Und damit stellt sich die Frage: Wie relevant ist Longevity konkret für die Hotellerie? Für welche Betriebe ist das Thema interessant – und wo sollte man vielleicht vorsichtig sein?

Uta: Grundsätzlich natürlich für gehobene Resorts und Wellnesshotels. Aber ich glaube, dass auch Betriebe im mittleren Segment Möglichkeiten haben.
Zum Beispiel über die Umgebung: Natur, Ruhe, authentische Erlebnisse – das sind Faktoren, die für viele Gäste im Kontext von Longevity sehr wertvoll sind.

Marco: Mhm.

Uta: Gäste, die sich bereits mit Themen wie Biohacking oder Gesundheit beschäftigen, bringen oft ihre Routinen mit.
Ein Hotel kann ihnen die passenden Rahmenbedingungen bieten, um diese Routinen weiterzuführen – oder neue Impulse zu setzen.

Marco: Mhm.

Uta: Entscheidend ist dabei die Ehrlichkeit. Ein Betrieb sollte sich fragen: Welche Zielgruppe spreche ich an? Welche Bedürfnisse haben diese Gäste? Und was kann ich ihnen wirklich anbieten?
Es geht nicht darum, alles abzudecken, sondern um einen klaren, authentischen Zugang.

Marco: Mhm.

Uta: Das kann auch ganz einfach sein. Ein Workshop, eine neue Erfahrung, ein bewusst gestaltetes Angebot. Vielleicht springt der Gast zum ersten Mal in einen eiskalten See – und nimmt dieses Erlebnis langfristig mit.
Solche Momente können eine starke Verbindung zum Betrieb schaffen.

Marco: Ja, und genau da stellt sich die nächste Frage: Muss ich das überhaupt als „Longevity“ bezeichnen?
Oder reicht es, wenn ich bestimmte Dinge anbiete und die Gäste selbst entscheiden, ob sie das für sich in diesem Kontext sehen?

Uta: Als Begriff hat Longevity mittlerweile eine gewisse Relevanz und Sichtbarkeit – auch in Suchmaschinen und durch Algorithmen.
Insofern ist es sinnvoll, ihn zu verwenden.

Marco: Mhm.

Uta: Aber entscheidend ist, dass es ernst gemeint ist. Es gibt auch Betriebe, die das Thema bewusst noch nicht stark nach außen tragen.
Langfristig wird sich der Begriff aber etablieren – als Qualitätsmerkmal und als Themenfeld.

Marco: Da bin ich bei dir. Das bedeutet aber auch, dass man klar kommunizieren muss, was man nicht ist.
Denn Gäste, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, haben gewisse Erwartungen. Und wenn diese nicht erfüllt werden, kann das schnell zu Enttäuschungen führen.

Uta: Genau. Deshalb ist es wichtig, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen: Was gibt es überhaupt im Bereich Longevity?
Man muss nicht alles anbieten, aber man sollte wissen, welche Möglichkeiten existieren – um dann bewusst entscheiden zu können, was man selbst umsetzt und was nicht.

Marco: Mhm.

Uta: Ein häufiger Fehler ist der Gedanke: „Ich brauche jetzt unbedingt teure Geräte, um Longevity anbieten zu können.“
Das stimmt so nicht. Gäste spüren sehr schnell, ob ein Thema wirklich gelebt wird – oder ob nur einzelne Maßnahmen umgesetzt wurden.

Marco: Mhm.

Uta: Wenn das Thema im gesamten Haus präsent ist – vom Empfang bis zur Küche – dann entsteht eine glaubwürdige Atmosphäre.
Und damit kommen wir auch zu einem entscheidenden Punkt: dem Team.

Marco: Mhm.

Uta: Longevity funktioniert nicht ohne die Mitarbeitenden. Es muss eine Haltung im Haus sein, die von allen getragen wird.
Nur dann kann das Thema authentisch vermittelt und auch von den Gästen angenommen werden.

Marco: Ich glaube sogar, dass das wichtiger ist als jede Infrastruktur. Die kann sich verändern – aber die Haltung im Team ist entscheidend.

Uta: Absolut. Und gleichzeitig ist es für den Hotelier wichtig zu wissen: Man muss nicht alles selbst im Detail verstehen.
Es geht darum, Verantwortung im Team zu verteilen und Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich in bestimmten Bereichen zu spezialisieren.

Marco: Mhm.

Uta: Diese Expertise kann dann intern weitergegeben werden. So entsteht ein gemeinsames Verständnis im Haus.
Longevity wird dann nicht nur ein Angebot, sondern ein gelebter Ansatz.

Marco: Da sind wir wieder bei einem Grundsatz der Hotellerie: Es ist und bleibt ein People Business.

Uta: Und ein Vertrauensgeschäft.

Marco: Du hast es gerade angesprochen – und wir haben es auch in der Einleitung erwähnt: Am 6. Mai 2026 findet unser Symposium „Hospitality meets Longevity“ statt.
Für alle, die den Podcast später hören: Es wird sicher spannende Nachberichte dazu geben. Aktuell stecken wir aber noch mitten in der Vorbereitung. Die Speaker sind fixiert, die Panel-Abstimmungen laufen.
Was ist dein Anspruch hinter diesem Format? Was sollen die Teilnehmer am Ende dieses halben Tages mitnehmen?

Uta: Mein Ziel wäre, dass wir es schaffen, die Hoteliers aus dieser theoretischen Blase herauszuholen und ihnen etwas Konkretes mitzugeben.
Also wirklich greifbar zu machen: Was könnten erste Schritte sein? Wie beginne ich überhaupt mit dem Thema?

Marco: Mhm.

Uta: Gleichzeitig wollen wir Einblicke geben, wie andere Betriebe damit umgehen. Was funktioniert in der Praxis? Was kann man daraus lernen?
Und im dritten Panel geht es bewusst um Ansätze, die nicht sofort große Investitionen erfordern. Themen wie Atmung, Meditation, Audiofrequenzen oder neuronale Ansätze – also Dinge, die auch niederschwellig umsetzbar sind.

Marco: Mhm.

Uta: Es geht darum, ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen und erste Erfahrungen zu sammeln.

Marco: Genau, also zu verstehen: Was gibt es überhaupt? In welche Richtungen kann ich gehen? Und was passt dann zu meinem Betrieb und zu meinen Gästen?

Uta: Genau.

Marco: Für wen ist das Symposium besonders relevant? Welche Hoteliers sollten sich auf den Weg machen?

Uta: Vor allem für Betriebe, die bereits im Wellness- oder Spa-Bereich positioniert sind und überlegen, wie sie sich weiterentwickeln können.
Aber auch für Häuser im Generationenwechsel. Die nächste Generation bringt oft neue Perspektiven mit – und Themen wie Longevity oder Biohacking spielen dabei eine größere Rolle.

Marco: Mhm.

Uta: Darüber hinaus natürlich auch für Coaches, Berater oder generell alle, die sich mit der Weiterentwicklung von Angeboten beschäftigen.
Am Ende geht es ja auch immer um die wirtschaftliche Perspektive – wie sich solche Konzepte sinnvoll in ein Geschäftsmodell integrieren lassen.

Marco: Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Am Ende muss es sich auch betriebswirtschaftlich rechnen.

Uta: Absolut. Und genau deshalb zeigen wir auch Beispiele, die nicht sofort große Investitionen erfordern.
Man kann sich dem Thema schrittweise nähern, Dinge ausprobieren und testen, wie sie bei den Gästen ankommen.

Marco: Das heißt, es geht auch darum, einen niederschwelligen Zugang zu schaffen und erste Erfahrungen zu sammeln.

Uta: Genau. Es darf auch spielerisch sein.

Marco: Gleichzeitig ist es aber wichtig zu betonen: Longevity ist kein reines Marketinglabel.

Uta: Nein, das würde nicht funktionieren. Das würde sofort auffallen.

Marco: Du hast vorher gesagt, Longevity ist gekommen, um zu bleiben. Wie siehst du die Entwicklung in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Wird das ein kurzfristiger Trend oder entwickelt sich daraus ein neuer Standard?

Uta: Ich glaube, es wird sich zu einem neuen Qualitäts- und Ausstattungsstandard entwickeln – auf einem gewissen Niveau.
Auch durch technologische Entwicklungen, etwa im Bereich Datenanalyse, entstehen neue Möglichkeiten.

Marco: Mhm.

Uta: Man kann sich vorstellen, dass Gäste künftig Diagnostik an einem Ort durchführen und diese Daten dann in ein Hotel mitnehmen, um dort weiterzuarbeiten.
Es geht also auch um langfristige Beziehungen zwischen Gast und Betrieb.

Marco: Mhm.

Uta: Gleichzeitig hoffe ich, dass sich auch eine gewisse Entspannung im Umgang mit dem Thema entwickelt.
Dieser extreme Optimierungsdruck, der teilweise entsteht, sollte wieder abnehmen. Es braucht auch eine gewisse Leichtigkeit.

Marco: Mhm.

Uta: Vielleicht geht man dann bewusst in ein Hotel, genießt die Natur, isst einen Kaiserschmarrn – und macht das ganz ohne schlechtes Gewissen, weil man weiß: Das tut mir jetzt gut.

Marco: Mhm.

Uta: Langfristig wird Longevity also sowohl ein Standard als auch eine individuelle Entscheidung bleiben.

Marco: Und aktuell ist es noch ein Thema, das stark mit einer bestimmten Zielgruppe verbunden ist – auch aufgrund der Kosten.

Uta: Ja, aktuell ist es noch eher im gehobenen Segment angesiedelt. Viele Angebote sind mit entsprechenden Investitionen verbunden.
Aber langfristig wird sich das breiter entwickeln.

Marco: Vor allem, wenn man sich die jüngeren Generationen anschaut. Themen wie Gesundheit, Ernährung und Fitness spielen dort eine immer größere Rolle.

Uta: Absolut. Ich würde sogar sagen, dass der aktuelle Hype weniger von den Best Agern kommt, sondern stärker von den 30- bis 40-Jährigen – und zunehmend auch von den 20-Jährigen.

Marco: Mhm.

Uta: Da sieht man ganz klar eine Veränderung im Verhalten.
Und das bedeutet auch für die Hotellerie: Man kommt an diesem Thema langfristig nicht vorbei.

Marco: Gleichzeitig hat das auch positive Effekte – etwa im Bereich Nachhaltigkeit und bewusster Umgang mit Ressourcen.

Uta: Genau. Wenn Longevity als Haltung verstanden wird, dann umfasst es viele dieser Themen automatisch.

Marco: Absolut. Und damit sind wir auch schon am Ende angekommen.
Liebe Uta, wir werden dieses Thema sicher noch weiter vertiefen – spätestens beim Symposium in Kitzbühel.
Die Links dazu findet ihr in den Shownotes beziehungsweise im Blogbeitrag zur Folge.
Zum Abschluss noch eine Frage: Wenn du den Zuhörenden einen Gedanken mitgeben könntest – was sollten sie im Kontext Longevity unbedingt verstehen?

Uta: Dass es nur funktioniert, wenn es ernst gemeint ist und authentisch umgesetzt wird.
Es muss im Betrieb verankert sein und ehrlich kommuniziert werden.

Marco: Und mit Freude.

Uta: Genau – und mit Freude. Es muss ein positives, lebendiges Thema sein.

Marco: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen.

Uta: Genau.

Marco: Super, liebe Uta, vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich auf das Symposium und die weitere Entwicklung des Themas. Danke, dass du dabei warst.

Uta: Danke dir, Marco. Hat großen Spaß gemacht. Wir machen weiter – spätestens am 6. Mai.

Über Uta Gruenberger

Uta Gruenberger ist Mitautorin des Trendreports „Hotels im Zeichen der Langlebigkeit“ und federführend bei der Organisation des Symposiums „Hospitality meets Longevity„, das am 6. Mai 2026 stattfindet. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Schnittstellen zwischen Longevity, Biohacking und Hotellerie und berät Betriebe bei der Entwicklung authentischer Gesundheitskonzepte.

Symposium Hospitality-meets-Longevity

Am Mittwoch, 6. Mai 2026, lädt die Prodinger Tourismusberatung unter dem Titel „Hospitality meets Longevity“ zu einer neuen, spezialisierten Branchenplattform nach Kitzbühel. Das Symposium widmet sich gezielt den Auswirkungen des Megatrends Longevity auf Hotellerie, Tourismus und Hotelentwicklung – von medizinisch fundierten Gesundheitskonzepten über neue Angebotslogiken bis hin zu Investmentperspektiven.

Longevity-Trendreport

Im Trendreport „Hotels im Zeichen der Langlebigkeit“ wird gezeigt, wie der Wunsch nach einem langen, gesunden Leben den Tourismus verändert. Klassische Wellnessangebote treten vermehrt in den Hintergrund – gefragt sind Konzepte, die Regeneration, Prävention und Lebensqualität fördern. Der Report beleuchtet internationale Best Practices und liefert praxisnahe Impulse für Hotels, Destinationen und Investoren.

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