Wo Österreichs Hotellerie digital wirklich steht – und was 2026 entscheidet
Die Digitalisierung ist in der österreichischen Hotellerie längst angekommen. Kaum ein Betrieb arbeitet heute noch ohne Hotelsoftware, Onlinebuchung oder digitale Gästekommunikation. Doch die ÖHV-Technologieumfrage 2025 zeigt sehr deutlich: Zwischen digital ausgestattet und digital erfolgreich liegt ein entscheidender Unterschied.
249 Betriebe aus ganz Österreich (überwiegend familiengeführte Ferienhotels) haben Einblick in ihren technologischen Alltag gegeben. Die Ergebnisse liefern nicht nur Zahlen, sondern vor allem eine klare Botschaft: Technologie ist kein Selbstzweck. Sie braucht Richtung, Integration und strategische Entscheidungen.
Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, ordnet sie ein und zeigt, wo 2026 echte Wettbewerbsvorteile entstehen.
Status quo: Digitalisiert – aber nicht immer vernetzt
Die gute Nachricht zuerst: 99 % der befragten Hotels arbeiten mit einem Property-Management-System (PMS). Digitale Basisprozesse wie Zimmerverwaltung, Rechnungslegung, Check-in/Check-out oder Reporting sind in Österreich Standard.
Doch ein Blick hinter die Kulissen macht dieses Bild noch klarer:
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42 % der Betriebe arbeiten noch mit lokalen Serverlösungen
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nur 28 % setzen vollständig auf Cloud-Systeme
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ein Viertel nutzt hybride Konstruktionen
Das Ergebnis sind häufig gewachsene IT-Landschaften, die funktionieren, aber nicht optimal zusammenspielen. Viele Hotels verfügen über zahlreiche Tools, doch ohne klare Gesamtstrategie entstehen Insellösungen, doppelte Datenpflege und unnötiger Aufwand.
Kernaussage: Digitalisierung ist in Österreich angekommen. Systemdenken oft noch nicht.
Onlinebuchung & Vertrieb: Standardprozesse mit Luft nach oben
Im Bereich Onlinevertrieb zeigt sich ein reifes Bild – zumindest auf den ersten Blick:
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97 % der Hotels nutzen eine Internet Booking Engine
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84 % arbeiten mit einem Channel Manager
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Direktbuchungen sind fixer Bestandteil der Vertriebsstrategie
Doch der Report macht auch deutlich:
Technik allein steigert noch keine Conversion.
Viele Betriebe verfügen zwar über moderne Buchungsstrecken, nutzen aber das volle Potenzial nicht aus – etwa bei:
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aktiver Steuerung der Buchungslogik
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gezieltem Upselling
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datenbasierter Angebotsgestaltung
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konsequenter Analyse von Abbrüchen
Besonders spannend ist der Blick auf das Revenue Management:
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nur 40 % der Hotels nutzen ein Revenue-Management-System
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27 % arbeiten weiterhin mit fixen Preisen
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15 % steuern Preise manuell
Gerade für Ferienhotels mit starken Saison- und Nachfrage-Schwankungen bleibt hier viel Umsatzpotenzial ungenutzt.
KPIs 2026: Welche Kennzahlen wirklich zählen
Ein zentrales Thema des Whitepapers sind die Kennzahlen, die künftig über Erfolg entscheiden. Viele Hotels fokussieren sich noch stark auf Auslastung – dabei greift diese Kennzahl allein zu kurz.
Entscheidend werden 2026 vor allem:
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Buchungsfenster & Nachfrageverläufe
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Direktbuchungsanteil
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Stornoquote & Buchungstypen
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Zusatzumsatz pro Gast
Hotels, die ihre KPIs aktiv steuern und technologisch sauber abbilden, treffen bessere, ruhigere und wirtschaftlichere Entscheidungen – besonders in unsicheren Marktphasen.
CRM & Gästekommunikation: Viel genutzt, selten strategisch
Ein besonders aufschlussreicher Bereich ist das Thema CRM:
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nur 51 % der Hotels nutzen ein eigenständiges CRM
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fast die Hälfte der Einzel- und Familienbetriebe arbeitet ohne CRM
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gleichzeitig:
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67 % automatisieren die Gästekommunikation
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71 % segmentieren Gästedaten
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44 % nutzen Marketing-Workflows
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Dieser scheinbare Widerspruch zeigt: Viele Hotels kommunizieren automatisiert, aber ohne zentrale Datenstrategie.
CRM wird häufig auf Newsletter reduziert, statt als strategisches Werkzeug für Gästebindung, Direktbuchungen und Personalisierung verstanden zu werden. Wer allerdings Gästedaten richtig nutzt, steigert nicht nur den Umsatz, sondern auch die Qualität der Gästebeziehung (und entlastet gleichzeitig das Team).
Künstliche Intelligenz: Zwischen Neugier und Unsicherheit
Kaum ein Thema polarisiert aktuell stärker als Künstliche Intelligenz. Die Zahlen aus der Umfrage zeigen jedoch: KI ist längst Teil des Hotelalltags.
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63 % der Betriebe nutzen KI bereits aktiv oder testweise
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Einsatzbereiche:
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Texterstellung & Marketing
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Gästeanfragen & Chatbots
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Übersetzungen
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Datenanalyse & Preisoptimierung
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Gleichzeitig bestehen klare Bedenken:
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fehlendes Know-how
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Integrationsaufwand
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Angst vor dem Verlust der „menschlichen Note“
Der Report zeigt aber auch: KI ersetzt keine Gastgeber. Sie übernimmt repetitive Aufgaben, beschleunigt Prozesse und schafft Freiraum für echte Gastfreundschaft – vorausgesetzt, sie wird bewusst und integriert eingesetzt.
Interne Prozesse: Der unterschätzte Hebel
Während Gästekommunikation und Vertrieb stark digitalisiert sind, offenbart der Blick auf interne Abläufe deutlichen Nachholbedarf:
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Zeiterfassung & Dienstplanung: ca. 60 %
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Digitale Housekeeping-Checklisten: nur 43 %
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Warenwirtschaft: 51 %
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Personalverwaltung: 55 %
Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel liegt hier enormes Potenzial. Digitalisierung beginnt nicht beim Gast – sondern beim Team. Effiziente interne Prozesse bedeuten weniger Stress, geringere Fehlerquote und höhere Mitarbeiterzufriedenheit.
IT-Sicherheit: Verantwortung bleibt Chefsache
Ein weiteres zentrales Thema ist die IT-Sicherheit:
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23 % der Hotels berichten von Phishing-Angriffen
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16 % von Malware
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8 % von Hackerangriffen
Gleichzeitig liegt die Verantwortung für Digitalisierung in 74 % der Betriebe bei der Geschäftsführung. Nur 11 % verfügen über eigene Digital- oder IT-Rollen.
Die klare Botschaft: Cybersecurity ist kein technisches Detail, sondern ein unternehmerisches Risiko – und Teil der Qualitätssicherung.
Fazit: Digitalisierung braucht Richtung, nicht mehr Tools
Die ÖHV-Technologieumfrage 2025 zeigt: Österreichs Hotellerie ist digital, investitionsbereit und offen für Neues. Doch der nächste Entwicklungsschritt entscheidet sich nicht durch zusätzliche Software, sondern durch klare Prioritäten, Integration und strategisches Denken.
Die Gewinner 2026 sind jene Betriebe, die:
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Technologie als Gesamtsystem verstehen
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Prozesse vereinfachen statt verkomplizieren
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Daten nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen
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Digitalisierung als Entlastung für Menschen einsetzen
Oder anders gesagt: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern das zentrale Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität, zufriedene Gäste und starke Teams.


